Pizza mit Biga

Dieses Rezept wartet schon lange darauf gebloggt zu werden. Nachdem ich seit Jahren sehr oft mein ganz einfaches Basic Pizzarezept backe, hat mich ein Teilnehmer in einem Kurs Anfang des Jahres darauf gebracht, mich doch mal wieder tiefergehender mit dem Thema Pizzateig zu beschäftigen. Daraus ist das Rezept für die Pizza mit Biga entstanden.

Er hatte mir von einem Pizzakurs bei einem italienischen Pizzaiolo erzählt und wie dieser seinen Teig über mehrere Tage mit einem Bigavorteig bereitet hatte. ich erinnerte mich an die Pizzarezepte von J. Hamelman und habe auf dieser Basis das nachfolgende Rezept entwickelt.

Im Vergleich zum direkt geführten Pizzateig ist der Teig mit Biga, sowohl aromatischer, besser zu verarbeiten als auch der Rand fluffiger und der Boden krosser. Man erkauft dies mit deutlich mehr Vorlauf, die Gesamtzubereitungszeit liegt bei 60 h, man muss also drei Tage vor dem Pizzabacken mit den ersten Vorbereitungen beginnen, die allerdings in 15-20 min erledigt sind.

Pizza mit Biga (8 Stück)

Biga
200 g Weizenmehl 405 /550
100 g Wasser kalt
0,3 g Hefe
Die Zutaten gut vermischen und zu einen festen Teig kneten, abgedeckt 10-12 h bei Raumtemperatur aufgehen lassen. Die Biga sollte dann deutlich aufgegangen und von feinen Bläschen durchzogen sein.

Hauptteig
540 g Wasser ca. 30°C
700 g Weizenmehl 405/550/Typo 00 ( es sollte sich um ein kleberstarkes Mehl handeln)
100g Dinkelmehl (630/1050)
18 g Salz
2,5 g Hefe
reife Biga ( in Stücken)
25 g Olivenöl
Alle Zutaten ohne Biga und Öl mischen, dann die Biga in Stücken zugeben und unterkneten, 3 min langsam kneten, 5-6 min schnell kneten. Wenn eine gute Glutenentwicklung gegeben ist (Fenstertest), das Öl portionsweise zugeben und unterkneten. Den fertigen Teig in eine geölte Wanne oder Schüssel geben und 1 h abgedeckt bei Raumtemperatur gehen lassen, dabei einmal dehnen und falten. Dann den Teig mindestens 24 h (besser 48 h) in den Kühlschrank stellen. Der Teig sollte sein Volumen in dieser Zeit mindestens verdoppeln und von Gärblasen durchzogen sein.

Teig nach 48 h Stockgare im Kühlschrank

Aufarbeiten: Den Teig auf eine gut bemehlte Arbeitsfläche geben und in 8 (ca. 210 g) gleich große Teile aufteilen und diese locker rundwirken. Die Teiglinge mindestens 1-2 h, abgedeckt an einem kühlen Ort, entspannen lassen. Man kann den Teig auch schon früher aufteilen, z.B,. nach 18 h Stockgare und die “Bolos” dann bis zu 12 h im Kühlschrank lagern. Vor dem Ausformen der Pizza dann ca. 1 h bei Raumtemperatur akklimatisieren lassen.

Die Teiglinge mit reichlich Mehl ( am besten Hartweizenmehl) von der Mitte aus in Form drücken, so das der etwas dickere Rand erhalten bleibt. Dann in der Luft über den Handrücken rundherum dünn ausziehen und auf den Einschießer legen (gut bemehlt oder mit Backpapier). Dann ganz nach Wunsch belegen.

Backen: Im Ofen den Backstein oder -stahl auf die höchst mögliche Temperatur (250-300°C) gut vorheizen und dann die Pizza in 4-7 min knusprig backen.

Man bekommt eine knusprige Pizza mit einem tollen Rand mit super Porung und gerade der Rand hat nach der Langen Gehzeit ein tolles Aroma.

Update vom 19.01.2024: Ich habe das Rezept nun an meine derzeitige Praxis angepasst. Sollte man einen Pizzaofen mit 350°C und mehr haben, sollte man das Olivenöl weglassen und kann auch das Wasser im Teig etwas reduzieren.

Buchrezension: “Der Brotbackkurs” von Valesa Schell

Da ich immer wieder nach meiner Meinung zu Brotbackbüchern gefragt werden, habe ich beschlossen, neu erschienene Bücher hier im Blog zu besprechen und meine Eindrücke mit Euch zu teilen.

Den Anfang macht das Buch “Der Brotbackkurs” von Valesa Schell das im April 2019 im Ulmer Verlag erschienen ist.

Die Autorin

Valesa Schell ist durch ihren Blog brotbackliebeundmehr und ihre sehr aktive gleichnamige Facebookgruppe, in den letzten Jahren, zu einer bekannten Person in der deutschen Brotbackszene geworden. Nun ist ihr erstes Buch erschienen.

Der Inhalt

Die Autorin deckt in ihrem Buch sehr viele Aspekte des Brotbackens ab, sie startet mit einer allgemeinen Einführung über Zutaten, Handwerkszeug und Arbeitsschritten. Im Weiteren gibt es dann jeweils einem eigenes Kapitel über das Brotbacken mit Hefe, mit Sauerteig, mit Kochstücken, mit Vollkorn usw. wobei dabei immer zuerst die Grundlagen erklärt werden und dann einige Rezepten folgen. Sie befasst sich auch mit Themen die außerhalb der Hobbybäckerszene eher weniger bekannt sind wie z.B. den Backen mit Lievito Madre, Hefewasser oder mit alten Getreidesorten.

Die Rezepte

Das Buch enthält insgesamt 50 Rezepte, jeweils 6-7 pro Themenblock. Die Autorin deckt dabei eine große Vielfalt ab, es gibt zahlreiche Rezepte für freigeschobene Brote, aber auch Kastenbrote , Brötchen, Baguette und Focaccia. In allen Rezepten wird mit geringen Mengen an Hefe gearbeitet und damit den Teigen viel Zeit gegeben gute Aromen zu entwickeln und damit bekömmliche Brote zu erhalten. Die Anleitungen sind übersichtlich gestaltet und nach einem festen Schema aufgebaut, so das man sich schnell zurechtfindet. Beim näheren Analysieren der Rezepte sind mir zwei Dinge aufgefallen: Es gibt einige Rezepte mit recht niedriger Wassermenge (Teigausbeute teilweise deutlich unter 160), wenn man diese mit qualitativ hochwertigem Mehl nachbäckt, bekommt man eher zu feste und zu trockene Backwerke. Außerdem enthalten ein Großteil der Rezepte entweder Honig oder Zuckerrübensirup, was aus meiner Sicht meistens überflüssig ist.

Zielgruppe

Das Buch richtet sich klar an den Brotbackanfänger, wenn man schon mehr Erfahrung im Brotbacken hat lernt man nicht viel neues dazu.

Fazit

Das Buch bietet einen guten Einstieg in das Thema Brotbacken für den Anfänger insbesondere durch die gut gemachten Schritt für Schritt Anleitungen werden wichtige Arbeitsgänge verständlich erklärt. Die Rezepte sind vielfältig und gut beschrieben. Zahlreiche großformatige Fotos vermitteln speziell bei den Rezepten einen guten Eindruck der jeweiligen Backwerke.

Mir persönlich kommen manche Grundlagen etwas zu kurz, insbesondere das Thema Teigtemperatursteuerung vermisse ich, dieses ist aus meiner Erfahrung gerade bei Anfängern oft die Ursache für Misserfolge.
Zusammengefasst bekommt man für knapp 20 € ein solides Einsteigerbuch mit einer großen Zahl unterschiedlicher Rezepte.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Ulmer Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt

Elsässer Zimtkuchen

Den Elsässer Zimtkuchen habe ich letztes Pfingsten kennerlernt, er wird im Elsaß auch “Cannelle” genannt. Eine ganz einfache aber sehr leckere Spezialität, die von einem guten süßen Hefeteig lebt. Die musste ich einfach nachbacken. Beim Rezept habe ich mich nach der Lektüre einiger Artikel z.B. aus der Allg. Bäckerzeitung und an meinem Grundrezept für Brioche orientiert. Was den Guss betrifft habe ich mich nach ein paar Versuchen für Creme Fraiche entschieden was mir wesentlich besser als süße Sahne schmeckt.

Elsässer Zimtkuchen /Brioche alsacienne à la cannelle/ Zemetkueche (1 Stück)

Hefeteig:
337 g Weizenmehl 550
150 g Milch 30°C
65 g Ei (ca. 1 Stück )
35 g Zucker
4 g Salz
7 g Hefe
40 g Lievito Madre aus dem Kühlschrank (kann man auch weglassen)
70-85 g Butter (später zugeben)

Für den Guss:
Zimtzucker
weiche Butter
150 g Creme fraiche

Gesamtdauer: ca. 2,5 h

Alle Zutaten bis auf die Butter vermischen, 3 min langsam und 6 min schnell zu einem glatten Teig verkneten. Die Butter in Stücken zugeben und so lange kneten bis alle Butter aufgenommen ist. Man erhält einen glatten seidigen Hefeteig. Teigtemperatur ca . 26- 27 °C.

Stockgare: Den Teig abgedeckt 45 min abgedeckt stehen lassen und dann auf die leicht bemehlten Arbeitsfläche geben.

Aufarbeiten: Den Teig rundschleifen, 10 min entspannen lassen und auf 24-26 cm ( je nach verfügbarer Springform) ausrollen und in die ausgebutterte Springform legen, ca. 30 min abgedeckt gehen lassen und dann mit etwas zerlassener Butter bestreichen und mit den Fingern vorsichtig Mulden in den Teig drücken (ähnlich wie bei einer Focaccia), die Creme Fraiche darauf verteilen und mit reichlich Zimtzucker bestreuen.

Stückgare & Backen: Nochmal 15-20 min abgedeckt gehen lassen und dann in den auf 200 °C vorgeheizten Ofen schieben , nach 8- 10 min die Temperatur auf 180°C reduzieren und ingesamt ca. 30 min backen.

Am besten direkt nach dem Auskühlen verspeisen, dann schmeckt der Elsässer Zimtkuchen am leckersten.

Ich mache oft etwas mehr Teig und dann gibt es noch einen Zopf oder Hefekleingebäck dazu, das man ja auch wunderbar einfrieren kann.