Schwäbisches Bauernbrot mit Übernachtgare

Ganz oft werde ich in meinen Kursen nach Rezepten gefragt, die sich gut in den eng getakteten Alltag integrieren lassen. Klassische Rezepte bei denen man am Vorabend eine Vorteig ansetzen muss und dann am Backtag 4-5 Stunden mehr oder weniger am Stück beschäftigt ist, eignen sich da wenig. Besser sieht es aus, wenn man die Stock- oder Stückgare in den Kühlschrank verlegt, man spricht dann von Übernachtgare. Damit gewinnst du viel Flexibilität, da die Mikroorganismen so langsam unterwegs sind, dass es nicht auf ein paar Stunden ankommt. Du kannst das Backen deines Brotes so einplanen, wie es in deinen Tagesablauf passt und es dauert am Backtag nur 1 – 3 Stunden bis das fertige Brot aus dem Ofen kommt.

Das ist kein neues Konzept und einige meiner Klassiker das Ovend Brut oder der Flöcke Boor folgen genau so einem Konzept. Aber für einen anderen meiner Klassiker dem schwäbischen Bauernbrot, das viele auch aus dem Einsteigerkurs kennen, hatte ich bisher keine solche Rezeptvariante im Angebot. Meine beiden Variationen des schwäbischen Weizenmischbrots der Schwäbische Laib von 2018 und das schwäbisches Bauernbrot von 2022 arbeiten beide mit Vorteigen und benötigen 4-5 Stunden am Backtag.

Überlegungen zum Rezept

Wenn man ein klassisches Rezept auf Übernachtgare ohne Vorstufen umstellt muss man sich dabei überlegen, wie man die Aromen und die Bekömmlichkeit, für die im klassischen Rezept der Sauerteig und der Hefevorteig zuständig sind, in einem Rezept ohne Vorstufen hinbekommt. Für das Aroma sorgen zwei Zutaten, einerseits das Sauerteíganstellgut direkt aus dem Kühlschrank und ein Altbrotquellstück. Durch die langen kalten Gehzeiten bekommt die zugesetzte Hefe und auch die aktiven Mikroorganismen aus dem Anstellgut die notwendige Fermentationszeit die das Brot bekömmlich und aromatisch macht Vom Geschmack her wird sich das Brot im Detail sicher etwas von der klassischen Variante unterscheiden, meist wird es als etwas saurer empfunden.

Einzige Voraussetzung dieses Rezept spontan zu backen ist es, eine ausreichende Menge Roggenanstellgut im Kühlschrank zu haben.

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten für eine kalte Übernachgare, man kann entweder ein kalte Stockgare des ungeformten Teigs oder eine kalte Stückgare des geformten Teiglings ins Rezept integrieren. Beides bringt Vor- und Nachteile mit sich:

VorteileNachteile
kalte Stockgare Gute Kontrolle der Stückgare, Rustikale und eingeschnittene Variante möglichRelativ lange Stückgare am Backtag durch kalten Teig.
kalte StückgareGeringer Zeitaufwand am BacktagGefahr der Übergare im Kühlschrank, rustikale Version schwierig, da der Schluss meist verklebt

Ich habe deshalb für das Rezept beide Varianten durchgespielt und ausgetestet und hier für euch getrennt aufgeschrieben.

Schwäbischer Bauernbrot mit Übernachtgare (ca. 1000 g Laib)

Altbrotquellstück
32 g Altbrot, geröstet und gemahlen
64 g Wasser warm
Alles vermischen und mindestens 30 Min durchquellen lassen

Hauptteig
100 g Roggen Anstellgut (aus dem Kühlschrank, muss nicht aktiv sein)
Altbrotquellstück
313 g Wasser (25 – 26 °C)
117 g Roggenmehl 1150
396 g Weizenmehl 1050
11 g Salz
2,5 g Hefe
10-20 g Wasser B (später!)

Kneten: Alle Zutaten ca. 4 Min. langsam mischen und dann 8-12 Min. auf zweiter Stufe gut auskneten (Fenstertest), der Teig löst sich von der Schüssel. Dann je nach Mehl und Erfahrung noch das zusätzliche Wasser B zugeben. Die Teigtemperatur sollte 24-25 °C betragen.

Variante 1 kalte Stockgare

Stockgare: Den Teig in eine geölte Schüssel geben und abgedeckt 1,5 Std. bei Raumtemperatur gehen lassen, dabei nach 30 und 60 Min. je einmal dehnen und falten. Dann den Teig für 8 -16 Std. in den Kühlschrank geben.

Aufarbeiten: Am nächsten Tag den Teig auf die mit Roggenmehl gut bestäubte Arbeitsfläche geben. Für ein rustikales Brot nun etwas Mehl auf den Teig stäuben und den Teig mit Spannung von allen Seiten zur Mitte hin einfalten. Den Teigling mit der Teigkarte umdrehen und auf genügend Mehl rund schieben, sodass ein schöner runder Laib mit Spannung entsteht der unten einen offenen Schluss aufweist. Mit dem Schluss nach unten ins bemehlte Gärkörbchen geben. Willst du ein eingeschnittenes Brot backen so solltest du mit weniger Mehl arbeiten und den Teigling mit dem Schluss nach oben ins Gärkörbchen legen.

Stückgare: ca. 1,5 – 2 Std. bei Raumtemperatur aufgehen lassen, die Gare mit dem Fingertest prüfen, der Teigling sollte vor dem Backen eine knappe Gare haben.

Backen: Den reifen Teigling auf ein Backpapier stürzen, bei Bedarf 1,5-2 cm tief einschneiden und in den gut auf 250 °C vorgeheizen Ofen mit Backstahl oder -stein einschießen. Sofort kräftig schwaden. Nach 15 Min. den Dampf ablassen und die Temperatur auf 210 °C reduzieren. Weitere 35 Min fertig backen und dann noch mit einem Spalt offener Ofentür für 5 Min. im Ofen lassen, damit eine schöne Kruste entsteht. Gesamtbackzeit: 55 Min.

Variante 2 lange Stückgare

Stockgare: Den Teig in eine geölte Schüssel geben und abgedeckt 1 Std. 45 Min. bei Raumtemperatur gehen lassen, dabei nach 30 und 60 Min. je einmal dehnen und falten.

Aufarbeiten: Den Teig auf die mit Roggenmehl gut bestäubte Arbeitsfläche geben. Den Teig mit Spannung von allen Seiten zur Mitte hin einfalten. Den Teigling mit der Teigkarte umdrehen und mit der Teigkarte rund schieben, sodass ein schöner runder Laib mit Spannung entsteht. Mit dem Schluss nach oben ins bemehlte Gärkörbchen geben. (Ein rustikaler, offener Schluss funktioniert bei der langen Stückgare schlecht, da der Schluss meistens verklebt)

Stückgare: Das Gärkörbchen mit einem Tuch bedeckt in eine Tüte packen und für 8-16 Std. und in den Kühlschrank stellen.

Backen: Am nächsten Tag den gereiften Teigling, direkt aus dem Kühlschrank, auf ein Backpapier stürzen, tief genug (1,5 -2 cm) einschneiden und in den gut auf 250 °C vorgeheizen Ofen mit Backstahl oder -stein einschießen. Sofort kräftig schwaden. Nach 15 Min den Dampf ablassen und die Temperatur auf 210 °C reduzieren. Weitere 35 Min fertig backen und dann noch mit einen Spalt offener Ofentür für 5 Min. im Ofen lassen, damit ein schöne Kruste entsteht. Gesamtbackzeit: 55 Min.

In jedem Fall erhaltet ihr ein wunderbar lockeres Alltagsbrot wobei ihr den Backprozess gut an euren Alltag anpassen könnt.

Download des Rezepts für die BackApp (kein PDF zum Drucken): In der BackApp könnt ihr nach Bedarf die Zeit der Stock- oder Stückgare an eure Bedürfnisse anpassen.

Variante 1 kalte Stockgare:

SchwaebischesBauernbrot_kalte_Stockgare.bakingAppRecipe (1536 Downloads )

Variante 2 kalte Stückgare:

SchwaebischesBauernbrot_kalte_Stueckgare.bakingAppRecipe (1521 Downloads )

In der BackApp FAQ-Sammlung  erfährst Du wie der Import in die BackApp funktioniert.

Französisches Salziges Brioche

Schon lange wollte ich mal ein Briocherezept hier teilen, dass den Ansprüchen eines französischen Bäckers an Briocheteige auch wirklich gerecht wird.

Aber was macht eigentlich ein französisches Brioche aus und was unterscheidet es von einem deutschen Hefeteig?

  1. Briocheteig enthält viel mehr Ei als ein deutscher Hefefeinteig, entweder Vollei oder eine Mischung aus Vollei und zusätzlichen Eigelb. Teilweise wird ausschließlich Ei als Schüttflüssigkeit benutzt.
  2. Briocheteig ist wesentlich butterreicher, 40- 80 % Butter (in Bezug auf die Mehlmenge) sind übliche Mengenverhältnisse.

Damit ist Brioche wesentlich reichhaltiger und bekommt hierdurch auch seine typisch, butterige, flauschige Konsistenz.

In Frankreich heißen übrigens alle Gebäcke aus Briocheteige “Brioche” egal wie sie geformt sind und nicht nur das sog. “Brioche à Tête” mit dem Kugelköpfchen.

Ich habe mich beim Rezept für eine “ungesüßte” Variante entschieden, die auch lecker zu herzhaften Belag, wie z.B. Weichkäse oder Leberwurst schmeckt, die kleine Menge Zucker sorgt hierbei für eine schöne Bräunung und ein gutes Volumen. Wenn Du ein leicht süßes Brioche haben möchtest, erhöhe die Zuckermenge auf 50-60 g.

Wundert Euch nicht über die relativ hohe Hefemenge von 4 %, da der Teig so viel Butter enthält benötigt man die höhere Hefemenge und kann dem Teig trotzdem genug Zeit geben, damit ein bekömmliches Gebäck entsteht.

Bei der Stockgare bitte beachten, sie sollte mindestens 3 Std. dauern, kann aber auch auf bis zu 14-16 Stunden über Nacht im Kühlschrank verlängert werden.

Französisches Salziges Brioche (ca. 1000 g)

300 g Ei ca. 6 Stück Größe M aus dem Kühlschrank
25 g Milch (je nach Mehl reduzieren oder weglassen)
500 g Weizenmehl 550
15 g Zucker
12 g Salz
20 g Hefe
300 g Butter (später)

Eistreiche (1 Ei, etwas Salz und Zucker)

Kneten: Ohne Butter alle Zutaten 4 Min. vermischen und ca. 4-6 Min. auf Stufe 2 kneten, kalte Butter in Stücken dazugeben und unterkneten. Die Teigtemperatur sollte bei 21 – 22 °C liegen.

Stockgare: Den Teig abgedeckt 1 Std. bei Raumtemperatur stehen lassen, einmal entgasen und dann mindestens 2 Std. oder über Nacht im Kühlschrank stehen lassen.

Aufarbeiten: je nach gewünschter Form: z.B. in 3 Teile aufteilen, Stränge formen und einen Zopf flechten, frei oder wie ich in einer Kastenform aufgehen lassen. 

Stückgare: 2-3 Std. mit einem Tuch abgedeckt, Dauer je nach Temperatur, Volumen sollte sich verdoppelt haben. Mit Eistreiche bestreichen.

Backen: Ofen auf 220 °C vorheizen, direkt auf 200 °C zurückschalten und nach 8 Min. auf 180 °C zurückschalten. Insgesamt ca. 35 – 40 Min., backen. Ggf. Kerntemperatur 92-93 °C messen. Frei geschoben (ohne Form) sollten ca. 30 Min. Backzeit ausreichen.

Download des Rezepts für die BackApp (nur für Apple iOS, kein PDF zum Drucken):

FranzösischesSalzigesBrioche.bakingAppRecipe (5146 Downloads )

In der BackApp FAQ-Sammlung wird erklärt, wie der Import in die BackApp funktioniert.

Rheinisches Schwarzbrot

Dieser Klassiker aus dem Rheinland hat bisher in meinem Blog gefehlt und da ich nun schon mehrfach von Lesern danach gefragt wurde ob ich nicht ein Rezept für rheinisches Schwarzbrot für sie hätte, habe ich mich nun entschlossen eine eigene Version für den Blog zu entwickeln.

Das rheinische Schwarzbrot ist in fast jeder Bäckerei in Köln zu bekommen, meist auch in recht guter Qualität und damit gehört es zu einem der Traditionsbrote in Köln und Umgebung. Klassisch ist das rheinische Schwarzbrot, ein Roggenvollkornbrot, das ausschließlich aus Roggenschrot und -mehl mit Sauerteig hergestellt. Seine typische dunkle Farbe bekommt es durch die lange Backzeit und Zusätzen von dunklem Malz, oft auch Rübenkraut oder manchmal wird auch mit Zuckercouleur nachgeholfen. Man erhält ein leckeres Vollkornbrot mit guter Frischhaltung, das man, wenn es geschnitten ist, im Kühlschrank gut und gerne 10 Tage aufbewahren kann.

Für mein Rezept habe ich mich entschieden, sowohl ganze Roggenkörner (in einem Kochstück) als auch groben Roggenschrot und Roggenmalzflocken in einem Brühstück zu verwenden, der restliche Getreideanteil im Sauerteig und Hauptteig ist ausschließlich mittelfeiner Roggenschrot. Bei mir handelt es sich also um ein reines Schrotbrot. Gelockert wird mein rheinisches Schwarzbrot mit einem milden Roggenschrotsauerteig dank Salzsauerteigführung. Ich habe für die dunkle Farbe und den typischen Geschmack etwas dunkles Malz zugesetzt.

Das rheinische Schwarzbrot gehört zu den etwas aufwändigeren Broten, hier ein paar Hinweise zur Backplanung und den Besonderheiten:

Tag 1 abends:
– Sauerteig ansetzen
– Kochstück mit Körnern herstellen

Tag 2 morgens/mittags:
– Brühstück herstellen
– Hauptteig herstellen
– Brot backen

Teigtemperatur: Für ein aromatisches gut fermentiertes Brot ist es wichtig, dass ihr die Teigtemperatur von ca. 30 °C trefft, dies gelingt, nur wenn man das Brühstück nicht ganz abkühlen lässt und noch mit einer Temperatur von 50-55 °C benutzt. Außerdem beachten, dass der Teig beim 15 Min. mischen abkühlt, deshalb muss er eher mit 33-34 °C angesetzt werden. Das recht lange langsame Mischen ist essenziell in einem Schrotbrot, damit eine gute Bindigkeit im Teig entsteht.

Backen: Rheinisches Schwarzbrot wird bei relativ geringer Temperatur (160 °C) 3 Stunden gebacken, damit es sein typisches Aroma entwickelt. Das ist zwar noch viel kürzer als beim Pumpernickel, aber trotzdem viel länger als bei allen anderen Brotsorten. Deshalb lohnt es sich auch immer mindestens 2 Brote zusammen zu backen, um den Ofen besser auszunutzen.

Rheinisches Schwarzbrot (ca. 1,1 kg Brot in einer 750 g Form)

Sauerteig:
195 g Wasser ca. 43-44 °C
4 g Salz
195 g Roggenschrot mittelfein
38 g Roggenanstellgut
Alle Zutaten gut vermischen und 12 – 16 Std. bei Raumtemperatur abgedeckt reifen lassen.

Kochstück
95 g ganze Roggenkörner
ca. 135 g Wasser
in einem kleinen Topf mit Deckel die Körner so lange kochen bis sie weich sind und alles Wasser aufgenommen haben (ca. 20 Min.) über Nacht abgedeckt abkühlen lassen.

Brühstück
31 g Roggenmalzflocken (alternativ durch groben Roggenschrot ersetzen)
63 g. Roggenschrot grob
142 g Wasser kochend
Alles vermischen und mit einer Frischhaltefolie direkt auf der Oberfläche abdecken. Bis auf 50-55 °C abkühlen lassen, Temperatur unbedingt kontrollieren.

Hauptteig:
Reifer Sauerteig
Kochstück
Brühstück ca. 50-55 °C
225 g Roggenschrot mittelfein
10 g Salz
24 g dunkles Backmalz (z.B. Roggenröstmehl, Gerstenmalzextrakt)
95 g Wasser 67 °C

Kneten: Alles 15 Min. langsam mischen, dass ein bindiger Teig entsteht. Teigtemperatur 30-31 °C

Stockgare (Kesselgare): 30 Min. abgedeckt in der Rührschüssel gehen lassen.

Aufarbeiten: Den Teig auf die nasse Arbeitsfläche geben und mit nassen Händen in Form bringen und direkt in eine gefettete oder mit Backpapier ausgelegte 750 g Kastenform geben. Glatt streichen und mit Roggenvollkornmehl oder feinem Schrot bestreuen.

Stückgare: Mit einem Tuch abgedeckt für 50 -75 Min aufgehen lassen, bis sich erste 2-3 mm breite Gärrisse an der Oberfläche zeigen.

Backen: Das Schwarzbrot wird im, mit Backstahl oder -stein und Schwadenschale auf 220 °C vorgeheizten Backofen direkt mit den Kastenformen auf dem Stahl oder Stein gebacken. Die Temperatur wird direkt auf 160 °C reduziert und es wird sehr kräftig geschwadet. Die Gesamtbackzeit beträgt 3 Std. Nach jeweils 60 Min zweimal etwas Wasser in der Schwadenschale nachgeben und das Brot einsprühen, damit die Oberfläche nicht zu hart wird. Nach Ende der Backzeit noch 30 Min. im ausgeschalteten Ofen lassen und dann aus den Formen nehmen und auf einem Gitter mindestens 12 Std. auskühlen lassen.

Schwarzbrot wird klassisch in dünne 5-6 mm dicke Scheiben geschnitten, am besten gelingt das mit einer Brotschneidemaschine.

Ich finde das rheinische Schwarzbrot ein super leckeres Brot. Dünn mit Butter bestrichen, eine Scheibe guten Gouda darauf oder wer mag auch mit Leberwurst und Gürkchen darauf einfach ein Genuss!

Auch bei der Lagerung ist das rheinische Schwarzbrot etwas Besonderes: Man kann es für eine bessere Haltbarkeit dicht eingepackt im Kühlschrank lagern, ohne dass es altbacken wird. Natürlich lässt sich rheinisches Schwarzbrot auch gut einfrieren.

Download des Rezepts für die BackApp (nur für Apple iOS, kein PDF zum Drucken):

RheinischesSchwarzbrot.bakingAppRecipe (6071 Downloads )

In der BackApp FAQ-Sammlung wird erklärt, wie der Import in die BackApp funktioniert.