Weizenkissen

Die Weizenkissen sind für mich die fluffigsten Brötchen, die ich bisher gebacken habe. Es handelt sich um ganz einfache „Abstechbrötchen”, Brötchen die nicht groß geformt werden, sondern einfach nur mit der Teigkarte abgestochen werden und dann direkt gebacken werden können. Dieses Rezept ist auf Basis des Rezepts der „Kochertaler“ Brötchen aus dem “Hohenloher Backbuch” von Ingmar Krimmer entstanden, ich habe einen Vollkornanteil und etwas Anstellgut hinzugefügt, um sie etwas herzhafter und aromatischer zu machen, so sind sie für mich perfekt.

Solche Brötchenrezepte eignen sich insbesondere, wenn man ohne viel Arbeit und lange Stückgare am morgen frische Frühstücksbrötchen backen will. In einer guten Stunde hat man die Brötchen auf dem Tisch. Ein weiteres Rezept mit ähnlichem Ablauf in meinem Blog sind die Saatenbrötchen oder auch die dänischen Sauerteigbrötchen.

Hier ein beispielhafter Ablauf am morgen: (Vorteig und Hauptteig werden schon am Vortag vorbereitet)

7:30 Teig zum Akklimatisieren aus dem Kühlschrank holen: (45 Min)
7:50 Ofen aufheizen (25 Min)
8:15 Brötchen abstechen (10 Min)
8:25 Backen
8:45 Brötchen sind fertig!

Weizenkissen (9 Stück)

Vorteig (Poolish)
140 g Wasser (ca. 20 °C)
1 g Hefe
140 g Weizenmehl 550
Alles gut mischen und 2 Std. abgedeckt bei Raumtemperatur stehen lassen, dann für 8-24 Std. in den Kühlschrank stellen.

Haupttteig
reifer Vorteig (Poolish) aus dem Kühlschrank
20 g Weizensanstellgut aus dem Kühlschrank (alternativ auch Roggen)
200 g Wasser ca. 30 °C
325 g Weizenmehl 550
35 g Weizenvollkornmehl
8 g Backmalz inaktiv
2 g Backmalz aktiv (optional)
10 g Salz
4,5 g Hefe

20 g zusätzliches Wasser später zugeben je nach Mehl eventuell weglassen

Optional: Saaten( Mohn, Sesam, …) zum Bestreuen.

Kneten: Alle Zutaten 4-6 Min gut mischen und dann auf zweiter Stufe ca. 8-12 Min auskneten bis ein Fenstertest möglich ist, der Teig löst sich von der Schüssel. Dann das zusätzliche Wasser B schluckweise unterkneten. Angestrebte Teigtemperatur 23–25 °C.

Stockgare: 1,5 Std. abgedeckt bei Raumtemperatur in einer eingeölten Teigschüssel/-wanne gehen lassen, dabei zweimal nach je 30 und 60 Min. dehnen und falten und dann weitere 8–16 Std. im Kühlschrank aufgehen lassen. Der Teig sollte sein Volumen in dieser Zeit ungefähr verdoppeln.

Akklimatisieren: Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen und bei Raumtemperatur in der Teigwanne ca. 45 Min akklimatisieren lassen.

Ofen vorheizen: Den Ofen mit einem umgedrehten Blech oder Backstahl oder -stein und einer Schwadenschale auf 230–240 ° C vorheizen.

Aufarbeiten: Den Teig aus der Wanne auf die leicht mit Roggenmehl bemehlte Arbeitsfläche stürzen und auch auf der Oberseite leicht bemehlen. 10 gleich große Stücke mit einer Teigkarte abstechen und auf ein Backpapier/Dauerbackfolie legen. Optional die abgestochenen Teiglinge befeuchten und vorsichtig in Saaten (Mohn, Sesam, etc.) wenden.

Backen: Die Brötchen in den auf 230-240 °C vorgeheizten Ofen einschießen und direkt kräftig schwaden, den Dampf nach 10 Min. ablassen und weiter 7–8 Min. fertig backen, in den letzten 1–2 Minuten die Backofentür einen Spalt öffnen, um ein krosse Kruste zu erhalten.

Download des Rezepts für die BackApp (nur für Apple iOS, kein PDF zum Drucken):

Weizenkissen.bakingAppRecipe (180 Downloads )

In der BackApp FAQ-Sammlung wird erklärt, wie der Import in die BackApp funktioniert.

Kardamomsnurrer

Für mich steht diese süße Leckerei wie kaum eine andere für Skandinavien. Noch mehr als die Zimt-Schnecken und ihre zahlreichen Varianten bekommt man heute ja fast überall auch bei vielen deutschen Bäckern. Dagegen sind für mich die Kardamomsnurrer immer noch etwas was man außerhalb er skandinavischen Länder kaum mal sieht. In Schweden werden sie übrigens eher Kardemummabullar und in Dänemark und Norwegen eher Kardemommesnurrer genannt. Mir gefällt der Name “Snurrer” für die gewickelte Version eigentlich am besten aber man kann sie auch einfach als Kardamomknoten oder -schnecken bezeichnen.

Kardamom – die wichtigste Zutat

Das besondere aber ist der intensive Kardamomgeschmack, für mich war lange Zeit das Gewürz Kardamom überhaupt nicht mit süßen Speien verbinden, sondern ich kannte es eher aus der herzhaften z.B . indischen Küche. In Skandinavien wird es allerdings ganz oft dem Hefeteig zugesetzt und in den Kardamomsnurrern ist es auch der geschmacksgebende Bestandteil der Füllung.

Kardamom gibt es in zwei Formen, den grünen und den schwarzen Kardamom, für Süßspeisen wird immer der grüne Kardamom genutzt, der seinen Namen von den grünen Samenkapseln hat. Er schmeckt süßlich-scharf und bringt eine frische Eukalyptusnote mit ins Gebäck.

Wichtig ist es keinen gemahlenen Kardamom zu verwenden, er hat fast alle ätherischen Öle verloren und schmeckt nach nicht mehr viel. Am besten besorgt ihr euch Kardamomsaat, dann spart ihr euch das lästige Öffnen der Samenkapseln. In Deutschland bekommt man Kardamomsaat leider fast nur online, in Skandinavien in jedem Gewürzregal. Die Kardamomsamen solltet ihr vor dem Backen grob zermahlen, das geht in einer Gewürzmühle, einem guten elektrischen Zerkleinerer oder auch im Mörser.

Ansonsten ist die Basis der Kardamomsnurrer mein klassischer Hefeteig mit Übernachtgare, allerdings mit Kardamom im Teig. Die Füllung besteht neben Kardamom aus weicher Butter und braunem Zucker.

Das Formen der typischen “Snurrer” funktioniert anders als bei den Zimtknoten . Es wird ein langer Strang aufgewickelt. Die Technik muss man sich im unten verlinkten Video gut anschauen und vielleicht auch mal trocken mit einem Geschenkband ausprobieren bevor man sich an den Teig wagt.

Kardamomsnurrer (15 Stück)

Tag 1 – abends

Hefeteig vorbereiten
500 g Weizenmehl  550
200 g Milch ca. 32°C
100 g Ei (2 Stück Größe M)
60 g Zucker
7 g Salz
10 g Hefe
4-6 g grob gemahlener Kardamom
100 g Butter (später)

Kneten: Ohne Butter alle Zutaten 4 Min. auf langsamer Stufe mischen und ca. 4-6 Min. auf Stufe 2 kneten, kalte Butter in Stücken dazugeben und unterkneten. Die Teigtemperatur sollte bei 23-25 °C liegen.

Stockgare: Den Teig  1 Std. abgedeckt bei Raumtemperatur in einer gebutterten Wanne und dann für 12 -16 Std. im Kühlschrank gehen lassen.

Tag 2

Kardamomzuckerfüllung
100 g Butter weich
100 g Zucker braun (Vollrohrzucker)
6 g grob gemahlener Kardamom
Zuerst den Zucker mit dem Kardamom gut vermischen und dann mit der weichen Butter zu einer Paste vermengen und bei Raumtemperatur aufbewahren, dass die Füllung streichfähig bleibt.

Teig Aufarbeiten: Teig auf der nur ganz wenig bemehlten Arbeitsfläche entgasen, grob rundwirken und dann in ein ca. 30×60 cm großes Rechteck ausrollen. Dieses Rechteck zu Zweidrittel mit der Füllung bestreichen und dann das unbestrichene Drittel darüber klappen, sodass drei Schichten und ein ca. 20 × 30 cm großes Rechteck entsteht. 

Das Rechteck etwas breiter rollen und dann mit einem Pizzarad oder einem Messer in 15 ca. 2 cm breite Streifen schneiden. 

Die Streifen etwas dehnen und dann um 3 Finger wickeln, mit dem Daumen fixieren und nach der zweiten Wicklung, quer dazu abschließen (Gutes Video zur Wickeltechnik von Martin Johansson).

Ei-Streiche herstellen: 1 Eigelb/Vollei , 1 Prise Salz, 1 Prise Zucker gut vermischen

Stückgare: Die Kardamomsnurrer 1-1,5 Std., abgedeckt auf einem Backpapier gehen lassen bis sich ihr Volumen deutlich vergrößert hat, dann mit Ei-Streiche einpinseln.

Backen: Backofen mit einem umgedrehten Blech oder Backstahl auf 220 °C vorheizen. Die Kardamomsnurrer einschießen. Nach 7 Min. Backzeit auf 200 °C zurückschalten und die Kardamomsnurrer insgesamt ca. 11-13 Min. mit Ober-/Unterhitze oder Heißluft (10 °C weniger) schön goldbraun backen.

Download des Rezepts für die BackApp (nur für Apple iOS, kein PDF zum Drucken):

Kardamomsnurrer.bakingAppRecipe (2018 Downloads )

In der BackApp FAQ-Sammlung wird erklärt, wie der Import in die BackApp funktioniert.

Der große Knetmaschinenvergleich: Ankarsrum, Ooni, Wilfa

Nachdem ich vor über 2 Jahren die Wilfa Probaker hier im Blog ausführlich besprochen habe und nun kürzlich den Erfahrungsbericht für die Ooni Halo Pro fertiggestellt habe, möchte ich euch nun zusätzlich einen Vergleich mit der Ankarsrum Assistent zur Verfügung stellen, die ich schon seit über 15 Jahren nutze.

Alle drei Maschinen habe ich über Monate, bzw. Jahre sowohl zum privaten Backen als auch in meiner Brotbackschule genutzt, dadurch kann ich die Stärken und Schwächen in der Praxis gut einschätzen.

Die drei Maschinen haben sowohl die gleichen Schüsselgrößen und sind auch in derselben Preisklasse angesiedelt. In manchen anderen Eigenschaften unterscheiden sie sich aber stark.

Die Details zu Wilfa Probaker und zur Ooni Halo Pro könnt ihr in meinen oben verlinkten ausführlichen Testberichten nachlesen. Die Ankarsrum Assistent möchte ich euch im folgenden kurz vorstellen:

Kurzvorstellung Ankarsrum Assistent

Die Ankarsrum Assistent ist ein wirklicher Klassiker, ihre Konstruktion geht auf die Elektrolux Assistent N1 aus den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts zurück (Wikipedia). Seit 2009 wird sie unter dem Namen Ankarsrum Assistent im heutigen Design in Schweden hergestellt. In ihrer Konstruktion als Knetmaschine ist sie einzigartig, da sich bei ihr nur die Schüssel, aber nicht der Haken bzw. die Knetrolle dreht. Außerdem besitzt sie einen Teigabstreifer der genau auf die Schüssel abgestimmt ist, was besonders bei roggenlastigen Teigen zu einem guten Mischergebnis führt. Neben der Knetfunktion ist die Ankarsrum eine vollwertige Küchenmaschine zu der es zahlreiches Zubehör wie Mixer, Fleischwolf, Pastawalzen etc. gibt. Sie ist unglaublich robust, ich habe noch nie von einem Defekt gehört und benutze sie selbst seit über 15 Jahren.

Der große Vergleich von Ankarsrum Assistent, Wilfa Probaker, Ooni Halo Pro

In der folgenden Tabelle habe ich die Haupteigenschaften der drei Maschinen verglichen:

Ankarsrum AssistentWilfa ProbakerOoni Halo Pro
AufbauAngetriebene Schüssel mit festen Knetwerkzeug (Haken) bzw. mitlaufender Rolle und TeigabstreiferSpiralkneter mit angetriebener Schüssel und KnethakenSpiralkneter mit angetriebener Schüssel und Knethaken inkl. feststehendem Teigbrecher
Gewichtca. 9 kgca. 15 kg14,6 kg
Kapazität der Knetkessels7 l7 l7 l
Maximale TeigkapazitätHerstellerangabe:
5 kg
Praxis: 4 kg (mit Knethaken), mit Rolle nur 2 kg
Herstellerangabe:
5 kg
Praxis: 4,7 kg (TA 167)
Herstellerangabe:
5 kg
Praxis: 4,5 kg
Kneten von festen Weizenteigen (TA 150-155)gut (man muss mit dem Teigabstreifer unterstützen)sehr gutsehr gut
Kneten von weichen Weizenteigen (TA>160)sehr gutsehr gutsehr gut
Kneten von Mischbrotteigensehr gutsehr gutgut bis befriedigend
Mischen von Roggenteigensehr gut (durch Abstreifer)gut (mit Gummipaddel)befriedigend (mit Flachrührer)
Kneten von kleinen Teigmengen (< 500g Mehl)gutgutbefriedigend (Teig wickelt sich um Knethaken)
Teigerwärmungschwachmittel mittel – stark
Nutzbarkeit als Küchenmaschine sehr gut, Aufschlagschüssel im Lieferumfang (umfangreiches Zubehör erhältlich)gut (mit Kennwood Adapter)
reiner Teigkneter (Schneebesen nicht funktional)
Ausstattung mechanischer TimerTimer gegen Aufpreisbeleuchtete Schüssel, Timer
Lautstärkeokokrecht laut
HerstellungslandSchwedenChinaChina
Preis (Quelle:Idealo)629-737 €549-699 €
619-799 € (Timer)
639-799 €

Interessieren euch weitere Details oder habt ihr zusätzliche Erfahrungen? Dann schreibt mir das in die Kommentare, ich werde dann versuchen, die zusätzlichen Aspekte in den Vergleich mitaufzunehmen.

Um einen besseren Eindruck zu bekommen, habe ich meinen Schnittbrötchenteig parallel in den drei Maschinen geknetet. (Video mit ca. 7 Min.)

Mein Fazit

Die Wilfa ist sicher die universellste Knetmaschine der drei, wenn man allerdings viel roggenlastige Teige knetet und vielleicht auch richtige Küchenmaschinenfunktionalität benötigt, ist die Ankarsrum Assistent die erste Wahl. Die Ooni würde ich nur jemandem empfehlen der hauptsächlich größere Mengen an weizenlastigen Teigen, wie z.B. Pizzateig knetet. Auch zu beachten ist, dass die Ankarsrum als einzige Maschine noch in Europa hergestellt wird und unglaublich robust ist.

Tipps für die Ankarsrum Assistent

Das Knetprinzip der Ankarsrum Assistent ist vom Aufbau und Knetprinzip her anders als die beiden anderen Maschinen, deshalb ein paar spezielle Tipps zum Umgang:

Rolle vs. Knethaken: Bei allen weizenlastigen Teigen bis zu 1 kg Mehl ist die Knetrolle aus meiner Sicht die beste Wahl. Nur bei roggenlastigen Teigen (mehr als 50 % Roggen) und großen Mengen sollte man den Knethaken nutzen.

Wasserzugabe: Bei der nachträglichen Wasserzugabe (Bassinage) darf man immer nur sehr kleine Mengen Wasser auf einmal zugeben, ansonsten wird der Teig nicht mehr gut durchmischt.

Knetgeschwindigkeiten: Zum Mischen immer die langsamste Stufe nutzen und dann wenig schneller schalten (die Geschwindigkeitssteuerung ist stufenlos)

Transparenzhinweis: Die Wilfa Probaker und die Ooni Halo Pro wurden mir vom Hersteller/Importeur kostenlos zur Verfügung gestellt.