Weizenvollkornbrötchen

Ich habe mir zum Ziel gesetzt mehr mit Vollkornmehlen zu backen, weil sie gesundheitlich, gerade wenn sie eine lange Fermentationszeit bekommen, einfach viel gesünder sind und dann natürlich auch das volle Korn wirklich für unsere Nahrung verwendet wird und nicht wichtige Anteile wie der Keimling und die Kleie einfach nur im Viehfutter landen.

Es gibt natürlich schon einige Vollkornrezepte im Blog, aber bei den Brötchen hatte ich da bisher nichts im Angebot. Deshalb stand das Ziel ein Weizenvollkornbrötchenrezept zu entwickeln schon länger auf meiner To-do-Liste.

Ein wirklich saftiges, geschmacklich gutes Weizenvollkornbrötchen hinzubekommen hat sich dann aber als schwerer als gedacht herausgestellt. Auch die ersten Versionen waren schon lecker, Ihnen fehlte aber immer das gewisse Etwas und sie schmeckten eher fad, oder waren auch nicht saftig genug. Deshalb ist es ein etwas aufwändigeres Rezept mit zwei Vorstufen geworden: Einer Pate Fermentée als Vorteig, einem Brühstück für die Saftigkeit und noch zusätzlich Roggenanstellgut im Hauptteig für mehr geschmackliche Komplexität. Das Rezept nutzt eine Übernachtgare so kann man leckere Weizenvollkornbrötchen am morgen frisch backen und natürlich kann man sie auch gut einfrieren.

Ich finde sie nun sehr gelungen und bin gespannt auf euer Feedback.

Noch ein paar Worte zum Mehl: Ich habe die Brötchen sowohl mit selbst gemahlenem Weizenvollkornmehl als auch mit Biomehl aus dem Drogeriemarkt gebacken und konnte keine signifikanten Unterschiede feststellen.

Weizenvollkornbrötchen (9 Stück)

Pate Fermentée (gereifter Teig)
0,3 g Hefe
89 g Wasser (ca. 20° C)
136 g Weizenvollkornmehl
3 g Salz
Hefe im Wasser auflösen und dann alle Zutaten zu einem festen Teig verkneten. 8-12 Std. bei Raumtemperatur reifen lassen. Die Pate Fermenteé kann, wenn notwendig danach noch gut 12 Std. im Kühlschrank gelagert werden.

Brühstück
23 g Weizenvollkornmehl
4 g Salz
46 g Wasser kochend
Alles gut vermischen und mit einer Folie direkt auf dem Brühstück abdecken. 1 bis 12 Std. durch quellen und abkühlen lassen.

Hauptteig
70 g Brühstück (abgekühlt)
228 g reife Pate Fermentée
177 g Wasser (ca. 20 °C)
46 g Roggenanstellgut (aus dem Kühlschrank, gerne auch älter als eine Woche, alternativ auch Weizenanstellgut, bringt aber weniger Aroma)
296 g Weizenvollkornmehl
9 g Butter/Öl
9 g Honig (optional, rundet den Geschmack ab)
3,6 g Hefe
7 g Salz
10 -20 g Wasser B (später)

optional: Kümmel /grobes Salz oder Flocken zum Bestreuen

Kneten: ca. 10 Min. langsam mischen, 5-6 Min. auf zweiter Stufe den Teig auskneten bis ein Fenstertest möglich ist, dann je nach Mehl noch etwas zusätzliches Wasser B zugeben. Teigtemperatur ca. 25 °C.

Stockgare: In einer geölten Wanne oder Schüssel den Teig abgedeckt 1 Std. bei Raumtemperatur gehen lassen dabei dann einmal dehnen und falten. Dann den Teig für 8-16 Std. im Kühlschrank weiter reifen lassen.

Aufarbeiten: Den Teig auf die mit Vollkornroggenmehl bemehlte Arbeitsfläche geben und in 9 Stücke á 95 g aufteilen. Die Teilstücke rundherum einfalten und mit wenig Druck rundschleifen, sodass ein offener Schluss entsteht (dabei hilft es ganz wenig Roggenvollkornmehl zu benutzen).

Stückgare: Die Teiglinge mit dem Schluss nach unten in ein leicht bemehltes Bäckerleinen/Tuch legen und abgedeckt für 15 Min. im leicht vorgeheizten Ofen und danach 25 Min. bei Raumtemperatur bis zur knappen Gare (mit dem Fingertest prüfen) aufgehen lassen.

Backen: Die Teiglinge mit dem Schluss nach oben auf ein Backpapier/Dauerbackfolie legen und optional feucht machen und mit Flocken oder einer Salz/Kümmelmischung bestreuen. In den mit Backstahl/-stein oder Blech und Schwadenschale gut auf 230-240 °C vorgeheizten Ofen einschießen und kräftig schwaden. Für 18 Min. fertig backen, nach ca. 12 Min den Dampf ablassen und nach Ende der Backzeit die Tür eine Min. offen lassen, wenn eine krosse Kruste gewünscht ist.

Download des Rezepts für die BackApp (kein PDF zum Drucken):

Weizenvollkornbroetchen.bakingAppRecipe (14 Downloads )

In der BackApp FAQ-Sammlung  erfährst Du wie der Import in die BackApp funktioniert.

Buchrezension „Die Kunst der wilden Fermentation“ von Sylwia Gervais

Das Buch “Die Kunst des wilden Fermentation“ von Sylvia Gervais aus dem Ulmer Verlag enthält auf 320 Seiten eine Vielzahl von Themenbereichen rund um die Fermentation. Die Autorin ist zertifizierte Fementista und betreibt die Webseite “Grüne Speisekammer” Das Buch bietet eine gute Einleitung in die Fermentation generell und macht mit den ansprechend gestalteten Fotografien und den klar strukturierten Unterkapiteln Lust auf mehr. Es bietet zudem mit Kapiteln wie „Fermentation und Gesundheit“ gute Hintergrundinformationen.

Naturgemäß habe ich mich zunächst dem Kapitel „Mit wilden Hefen backen” gewidmet. Hier wird auf Basis von Früchten, Blüten und Gemüse Hefewasser angesetzt.
Mithilfe dieses Hefewassers als Triebmittel werden dann Dinkelbrot oder wahlweise Zimtschnecken gebacken. Die Rezepte habe ich nicht explizit nachgebacken, grundsätzlich sind sie aber stimmig. Für ein gutes Ergebnis sollte man schon etwas Brotbackerfahrung haben und z.B. die Knetzeiten etc. dann entsprechend anpassen.

Getreide Fermentieren

Sehr interessant fand ich auch das Kapitel „Getreide Fermentieren“ weil hier umfassend alle Arten der Fermentation von Getreide beschrieben werden, also nicht nur mit Hefe und Sauerteig, sondern auch weniger bekannte Themen wie die Plizfermentation. Sehr spannend finde ich die Verwertung von Roggensauerteigbrotresten zu Kvass, einem traditionellen osteuropäischen Getränk, das ich unbedingt mal ausprobieren werde. Natürlich gibt es auch einen Kurzeinstieg zum Thema Sauerteig und wie man sich einen Starter herstellt und damit ein erstes Roggenbrot bäckt. Hier schient leider etwas durcheinander geraten zu sein, die Bilder und die Beschreibung sind eindeutig für ein Weizensauerteigbrot, nur leider wird im Rezept Roggenvollkornmehl verwendet, was so einfach nicht zusammenpasst.

Meine Frau hat auf meinem Schreibtisch das Buch entdeckt und sich weitere Kapitel angeschaut.

Gemüse Fermentieren

Zunächst das Kapitel „Gemüse fermentieren”. Auch im Vorfeld wurde bei uns schon eifrig Gemüse, vor allem im Eigensaft mit Salz fermentiert. Die hier dargestellten Rezepte sind eindeutig vielfältiger als unsere bisherigen Fermente. Nach mehreren Versuchen bleibt es aber dabei: das im Eigensaft hergestellte Kimchi (S. 77 ff.) oder Sauerkraut (zum Beispiel S. 70) schmeckt uns immer noch besser als andere Gemüse die in Lake fermentiert werden.
Als Nächstes haben wir uns an die Essiggärung gewagt. Da es Winter war, haben wir mit dem einfachen Rezept für Weinessig (S. 152) angefangen. Als Starteressig haben wir naturtrüben Apfelessig aus dem Bioladen verwendet. Nach sehr langem Warten (ca. 6 Wochen) hatten wir einen leckeren Rotweinessig – wahrscheinlich war der Rotwein doch etwas geschwefelt, und deshalb hatten es die Essigsäurebakterien sehr schwer zu entwickeln. Der Apfelessig (S. 140) hingegen klappt wunderbar für die saisonalen wilden Essige fehlen uns in der Stadt leider die wilden Blüten.

Milch Fermentieren

Als Letztes haben wir im Urlaub noch „Lebensmittel aus Milch fermentiert“. Rohmilch vom Bauer, Kälberlab und Milchsäurekulturen vom Online Käsereibedarf “Bunte Kuh” und die erste Sauermilch und Paneerkäse haben ganz gut geklappt. Hier werden wir uns in Zukunft im Urlaub wohl noch weiter austoben. Die Käseherstellung scheint aber genauso komplex wie das Brotbacken zu sein, sodass wir uns da nochmal nach Spezialliteratur umschauen werden, da in diesem Buch das Thema nur kurz angerissen wird.

Insgesamt macht das Buch große Lust sich an die unterschiedlichsten Formen der Fermentation heranzuwagen. Die Schritte sind gut beschrieben. Als Stadtfamilie ist es manchmal gar nicht so einfach die passenden Zutaten zu “sammeln”, aber wenn man diese dann gefunden hat klappt es wunderbar.

Transparenzhinweis: Mir wurde das Rezensionsexemplar vom Ulmer Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt.

Empanada Gallega

Auf unserer diesjährigen VW Bus Tour sind wir zum ersten Mal in Galicien (Nordspanien) gewesen, was einem da in den Bäckereien direkt auffällt: Überall wird Empanada Gallega mit unterschiedlichen Füllungen verkauft. Dabei handelt es sich um eine gefüllte Teigpastete, meist wird sie mit einer Füllung aus Fische, Fleisch oder Meeresfrüchten gefüllt. Grundbestandteil der Füllung sind aber immer Zwiebeln, Tomaten und Paprika. Bei der Füllung habe ich mich an einem Rezept spanischen Blog Paulina Cocina orientiert, der Teig dort und in allen Rezepten, die ich online gefunden habe, hat mir aber nicht gefallen: Viel Hefe, kurze Gehzeit, Blätterteig, … So habe ich meinen eigenen Empanadateig entwickelt.

Der Empanadateig ist bei den spanischen Bäckern vorwiegend ein Hefeteig aus Weizenmehl mit sehr viel Olivenöl im Teig der beim Backen gar nicht groß aufgehen soll. Deshalb habe ich mich entschlossen die Hefe wegzulassen und stattdessen Weizensauerteiganstellgut zu verwenden, was durch seine Fermentation den Teig bekömmlicher und aromatischer macht. Deshalb sollte der Teig mindestens 2 Stunden ruhen, kann aber auch gut am Vortag gemacht und im Kühlschrank gelagert werden.

Empanada Gallega (1 Blech ca. 30×40 cm)

212 g Wasser ca. 20 °C (im Sommer kühleres Wasser verwenden)
47 g Weizen- oder Roggenanstellgut
47 g Weizenvollkornmehl
425 g Weizenmehl 550
10 g Salz
109 g Olivenöl (später)

1 Ei zum Bestreichen (Alternativ: Kondensmilch oder vegane Hafer Cuisine)

Kneten: Alle Zutaten außer dem Öl von Hand oder mit der Knetmaschine 5 Min vermischen, dann schluckweise das Öl unterkneten bis ein glatter und geschmeidiger Teig entsteht. Teigtemperatur ca. 25 °C

Stockgare: Den Teig in einer geölten Schüssel mindestens 2 Std. ruhen lassen, dabei einmal nach 60 Min. dehnen und falten so das ein rechteckiges Teilstück entsteht. Der Teig muss nicht sichtbar aufgehen! Der Teig kann gut bis zu 20 Std. im Kühlschrank gelagert werden.

Aufarbeiten : Den Teig halbieren und beide Stücke auf der bemehlten Arbeitsfläche jeweils zu einem großen Rechteck (Größe eures Backblechs) dünn ausrollen . Das eine Teigrechteck auf dem Blech mit einem Backpapier darunter auslegen und die vorbereitet und abgekühlte Füllung darauf gleichmäßig verteilen. Rundherum ca. 2 cm Rand ohne Füllung freilassen. Die Füllung mit dem zweiten Teigrechteck abdecken und den überstehenden Rand abschneiden. Dann die beiden Teigrechtecke mithilfe einer Gabel dicht “umbördeln”. Mit Teigresten kann man die Empanada verzieren, dann gut mit Eistreiche einstreichen und mit einer Gabel einige Löcher in die obere Teigschicht stechen, damit entstehender Dampf entweichen kann.

Backen: 190 °C Ober-/Unterhitze im vorgeheizten Ofen ca. 30 Min bis die Empanada schön gebräunt ist. Auf einem Gitter etwas abkühlen lassen. Die Empanada kann man lauwarm oder kalt genießen und auch leicht in der Pfanne oder Mikrowelle wieder aufwärmen.

Herstellung der Empanada Füllung

Das Rezept für die Füllung ist vom spanischen Blog Paulina Cocina übernommen und nur leicht adaptiert.

Grundfüllung:

  • 500 g Zwiebeln fein gehackt (4 oder 5 Zwiebeln)
  • 100 g rote Paprika in kleinen Würfeln
  • 300 g zerkleinerte frische Tomaten
  • 2 Lorbeerblätter
  • Olivenöl
  • 1 EL Paprika (süß oder scharf)
  • 1 TL Kurkuma
  • Salz, Pfeffer

Zur Herstellung der Füllung zuerst die gehackten Zwiebeln in reichlich Olivenöl anbraten und 10 Min bei mittlerer Hitze schmoren, dann die gewürfelten Paprika hinzugeben und 5 Min ohne Deckel weiter schmoren.

Die zerkleinerten Tomaten, die Lorbeerblätter, Paprikapulver, Kurkuma und etwas Salz zugeben und weitere 15 Minuten ohne Deckel schmoren.

Die Lorbeerblätter herausnehmen und die Füllung etwas abkühlen lassen, dann je nach Variante den Thunfisch oder den Feta und das Gemüse zugeben und mit Salz und Pfeffer abschmecken

Varianten:

(Jeweils unter die etwas abgekühlte Grundfüllung mischen.)

Thunfisch: 250 g Thunfisch Natur aus der Dose (im eigenen Saft), in kleinen Stücken
Vegetarisch : 200 g Fetakäse, Spinat oder Mangold (blanchiert und fein gehackt)

Download des Rezepts für die BackApp (kein PDF zum Drucken):

EmpanadaGalego.bakingAppRecipe (1564 Downloads )

In der BackApp FAQ-Sammlung  erfährst Du wie der Import in die BackApp funktioniert.