Kardamomsnurrer

Für mich steht diese süße Leckerei wie kaum eine andere für Skandinavien. Noch mehr als die Zimt-Schnecken und ihre zahlreichen Varianten bekommt man heute ja fast überall auch bei vielen deutschen Bäckern. Dagegen sind für mich die Kardamomsnurrer immer noch etwas was man außerhalb er skandinavischen Länder kaum mal sieht. In Schweden werden sie übrigens eher Kardemummabullar und in Dänemark und Norwegen eher Kardemommesnurrer genannt. Mir gefällt der Name “Snurrer” für die gewickelte Version eigentlich am besten aber man kann sie auch einfach als Kardamomknoten oder -schnecken bezeichnen.

Kardamom – die wichtigste Zutat

Das besondere aber ist der intensive Kardamomgeschmack, für mich war lange Zeit das Gewürz Kardamom überhaupt nicht mit süßen Speien verbinden, sondern ich kannte es eher aus der herzhaften z.B . indischen Küche. In Skandinavien wird es allerdings ganz oft dem Hefeteig zugesetzt und in den Kardamomsnurrern ist es auch der geschmacksgebende Bestandteil der Füllung.

Kardamom gibt es in zwei Formen, den grünen und den schwarzen Kardamom, für Süßspeisen wird immer der grüne Kardamom genutzt, der seinen Namen von den grünen Samenkapseln hat. Er schmeckt süßlich-scharf und bringt eine frische Eukalyptusnote mit ins Gebäck.

Wichtig ist es keinen gemahlenen Kardamom zu verwenden, er hat fast alle ätherischen Öle verloren und schmeckt nach nicht mehr viel. Am besten besorgt ihr euch Kardamomsaat, dann spart ihr euch das lästige Öffnen der Samenkapseln. In Deutschland bekommt man Kardamomsaat leider fast nur online, in Skandinavien in jedem Gewürzregal. Die Kardamomsamen solltet ihr vor dem Backen grob zermahlen, das geht in einer Gewürzmühle, einem guten elektrischen Zerkleinerer oder auch im Mörser.

Ansonsten ist die Basis der Kardamomsnurrer mein klassischer Hefeteig mit Übernachtgare, allerdings mit Kardamom im Teig. Die Füllung besteht neben Kardamom aus weicher Butter und braunem Zucker.

Das Formen der typischen “Snurrer” funktioniert anders als bei den Zimtknoten . Es wird ein langer Strang aufgewickelt. Die Technik muss man sich im unten verlinkten Video gut anschauen und vielleicht auch mal trocken mit einem Geschenkband ausprobieren bevor man sich an den Teig wagt.

Kardamomsnurrer (15 Stück)

Tag 1 – abends

Hefeteig vorbereiten
500 g Weizenmehl  550
200 g Milch ca. 32°C
100 g Ei (2 Stück Größe M)
60 g Zucker
7 g Salz
10 g Hefe
4-6 g grob gemahlener Kardamom
100 g Butter (später)

Kneten: Ohne Butter alle Zutaten 4 Min. auf langsamer Stufe mischen und ca. 4-6 Min. auf Stufe 2 kneten, kalte Butter in Stücken dazugeben und unterkneten. Die Teigtemperatur sollte bei 23-25 °C liegen.

Stockgare: Den Teig  1 Std. abgedeckt bei Raumtemperatur in einer gebutterten Wanne und dann für 12 -16 Std. im Kühlschrank gehen lassen.

Tag 2

Kardamomzuckerfüllung
100 g Butter weich
100 g Zucker braun (Vollrohrzucker)
6 g grob gemahlener Kardamom
Zuerst den Zucker mit dem Kardamom gut vermischen und dann mit der weichen Butter zu einer Paste vermengen und bei Raumtemperatur aufbewahren, dass die Füllung streichfähig bleibt.

Teig Aufarbeiten: Teig auf der nur ganz wenig bemehlten Arbeitsfläche entgasen, grob rundwirken und dann in ein ca. 30×60 cm großes Rechteck ausrollen. Dieses Rechteck zu Zweidrittel mit der Füllung bestreichen und dann das unbestrichene Drittel darüber klappen, sodass drei Schichten und ein ca. 20 × 30 cm großes Rechteck entsteht. 

Das Rechteck etwas breiter rollen und dann mit einem Pizzarad oder einem Messer in 15 ca. 2 cm breite Streifen schneiden. 

Die Streifen etwas dehnen und dann um 3 Finger wickeln, mit dem Daumen fixieren und nach der zweiten Wicklung, quer dazu abschließen (Gutes Video zur Wickeltechnik von Martin Johansson).

Ei-Streiche herstellen: 1 Eigelb/Vollei , 1 Prise Salz, 1 Prise Zucker gut vermischen

Stückgare: Die Kardamomsnurrer 1-1,5 Std., abgedeckt auf einem Backpapier gehen lassen bis sich ihr Volumen deutlich vergrößert hat, dann mit Ei-Streiche einpinseln.

Backen: Backofen mit einem umgedrehten Blech oder Backstahl auf 220 °C vorheizen. Die Kardamomsnurrer einschießen. Nach 7 Min. Backzeit auf 200 °C zurückschalten und die Kardamomsnurrer insgesamt ca. 11-13 Min. mit Ober-/Unterhitze oder Heißluft (10 °C weniger) schön goldbraun backen.

Download des Rezepts für die BackApp (nur für Apple iOS, kein PDF zum Drucken):

Kardamomsnurrer.bakingAppRecipe (1826 Downloads )

In der BackApp FAQ-Sammlung wird erklärt, wie der Import in die BackApp funktioniert.

Französisches Salziges Brioche

Schon lange wollte ich mal ein Briocherezept hier teilen, dass den Ansprüchen eines französischen Bäckers an Briocheteige auch wirklich gerecht wird.

Aber was macht eigentlich ein französisches Brioche aus und was unterscheidet es von einem deutschen Hefeteig?

  1. Briocheteig enthält viel mehr Ei als ein deutscher Hefefeinteig, entweder Vollei oder eine Mischung aus Vollei und zusätzlichen Eigelb. Teilweise wird ausschließlich Ei als Schüttflüssigkeit benutzt.
  2. Briocheteig ist wesentlich butterreicher, 40- 80 % Butter (in Bezug auf die Mehlmenge) sind übliche Mengenverhältnisse.

Damit ist Brioche wesentlich reichhaltiger und bekommt hierdurch auch seine typisch, butterige, flauschige Konsistenz.

In Frankreich heißen übrigens alle Gebäcke aus Briocheteige “Brioche” egal wie sie geformt sind und nicht nur das sog. “Brioche à Tête” mit dem Kugelköpfchen.

Ich habe mich beim Rezept für eine “ungesüßte” Variante entschieden, die auch lecker zu herzhaften Belag, wie z.B. Weichkäse oder Leberwurst schmeckt, die kleine Menge Zucker sorgt hierbei für eine schöne Bräunung und ein gutes Volumen. Wenn Du ein leicht süßes Brioche haben möchtest, erhöhe die Zuckermenge auf 50-60 g.

Wundert Euch nicht über die relativ hohe Hefemenge von 4 %, da der Teig so viel Butter enthält benötigt man die höhere Hefemenge und kann dem Teig trotzdem genug Zeit geben, damit ein bekömmliches Gebäck entsteht.

Bei der Stockgare bitte beachten, sie sollte mindestens 3 Std. dauern, kann aber auch auf bis zu 14-16 Stunden über Nacht im Kühlschrank verlängert werden.

Französisches Salziges Brioche (ca. 1000 g)

300 g Ei ca. 6 Stück Größe M aus dem Kühlschrank
25 g Milch (je nach Mehl reduzieren oder weglassen)
500 g Weizenmehl 550
15 g Zucker
12 g Salz
20 g Hefe
300 g Butter (später)

Eistreiche (1 Ei, etwas Salz und Zucker)

Kneten: Ohne Butter alle Zutaten 4 Min. vermischen und ca. 4-6 Min. auf Stufe 2 kneten, kalte Butter in Stücken dazugeben und unterkneten. Die Teigtemperatur sollte bei 21 – 22 °C liegen.

Stockgare: Den Teig abgedeckt 1 Std. bei Raumtemperatur stehen lassen, einmal entgasen und dann mindestens 2 Std. oder über Nacht im Kühlschrank stehen lassen.

Aufarbeiten: je nach gewünschter Form: z.B. in 3 Teile aufteilen, Stränge formen und einen Zopf flechten, frei oder wie ich in einer Kastenform aufgehen lassen. 

Stückgare: 2-3 Std. mit einem Tuch abgedeckt, Dauer je nach Temperatur, Volumen sollte sich verdoppelt haben. Mit Eistreiche bestreichen.

Backen: Ofen auf 220 °C vorheizen, direkt auf 200 °C zurückschalten und nach 8 Min. auf 180 °C zurückschalten. Insgesamt ca. 35 – 40 Min., backen. Ggf. Kerntemperatur 92-93 °C messen. Frei geschoben (ohne Form) sollten ca. 30 Min. Backzeit ausreichen.

Download des Rezepts für die BackApp (nur für Apple iOS, kein PDF zum Drucken):

FranzösischesSalzigesBrioche.bakingAppRecipe (3300 Downloads )

In der BackApp FAQ-Sammlung wird erklärt, wie der Import in die BackApp funktioniert.

Rheinisches Schwarzbrot

Dieser Klassiker aus dem Rheinland hat bisher in meinem Blog gefehlt und da ich nun schon mehrfach von Lesern danach gefragt wurde ob ich nicht ein Rezept für rheinisches Schwarzbrot für sie hätte, habe ich mich nun entschlossen eine eigene Version für den Blog zu entwickeln.

Das rheinische Schwarzbrot ist in fast jeder Bäckerei in Köln zu bekommen, meist auch in recht guter Qualität und damit gehört es zu einem der Traditionsbrote in Köln und Umgebung. Klassisch ist das rheinische Schwarzbrot, ein Roggenvollkornbrot, das ausschließlich aus Roggenschrot und -mehl mit Sauerteig hergestellt. Seine typische dunkle Farbe bekommt es durch die lange Backzeit und Zusätzen von dunklem Malz, oft auch Rübenkraut oder manchmal wird auch mit Zuckercouleur nachgeholfen. Man erhält ein leckeres Vollkornbrot mit guter Frischhaltung, das man, wenn es geschnitten ist, im Kühlschrank gut und gerne 10 Tage aufbewahren kann.

Für mein Rezept habe ich mich entschieden, sowohl ganze Roggenkörner (in einem Kochstück) als auch groben Roggenschrot und Roggenmalzflocken in einem Brühstück zu verwenden, der restliche Getreideanteil im Sauerteig und Hauptteig ist ausschließlich mittelfeiner Roggenschrot. Bei mir handelt es sich also um ein reines Schrotbrot. Gelockert wird mein rheinisches Schwarzbrot mit einem milden Roggenschrotsauerteig dank Salzsauerteigführung. Ich habe für die dunkle Farbe und den typischen Geschmack etwas dunkles Malz zugesetzt.

Das rheinische Schwarzbrot gehört zu den etwas aufwändigeren Broten, hier ein paar Hinweise zur Backplanung und den Besonderheiten:

Tag 1 abends:
– Sauerteig ansetzen
– Kochstück mit Körnern herstellen

Tag 2 morgens/mittags:
– Brühstück herstellen
– Hauptteig herstellen
– Brot backen

Teigtemperatur: Für ein aromatisches gut fermentiertes Brot ist es wichtig, dass ihr die Teigtemperatur von ca. 30 °C trefft, dies gelingt, nur wenn man das Brühstück nicht ganz abkühlen lässt und noch mit einer Temperatur von 50-55 °C benutzt. Außerdem beachten, dass der Teig beim 15 Min. mischen abkühlt, deshalb muss er eher mit 33-34 °C angesetzt werden. Das recht lange langsame Mischen ist essenziell in einem Schrotbrot, damit eine gute Bindigkeit im Teig entsteht.

Backen: Rheinisches Schwarzbrot wird bei relativ geringer Temperatur (160 °C) 3 Stunden gebacken, damit es sein typisches Aroma entwickelt. Das ist zwar noch viel kürzer als beim Pumpernickel, aber trotzdem viel länger als bei allen anderen Brotsorten. Deshalb lohnt es sich auch immer mindestens 2 Brote zusammen zu backen, um den Ofen besser auszunutzen.

Rheinisches Schwarzbrot (ca. 1,1 kg Brot in einer 750 g Form)

Sauerteig:
195 g Wasser ca. 43-44 °C
4 g Salz
195 g Roggenschrot mittelfein
38 g Roggenanstellgut
Alle Zutaten gut vermischen und 12 – 16 Std. bei Raumtemperatur abgedeckt reifen lassen.

Kochstück
95 g ganze Roggenkörner
ca. 135 g Wasser
in einem kleinen Topf mit Deckel die Körner so lange kochen bis sie weich sind und alles Wasser aufgenommen haben (ca. 20 Min.) über Nacht abgedeckt abkühlen lassen.

Brühstück
31 g Roggenmalzflocken (alternativ durch groben Roggenschrot ersetzen)
63 g. Roggenschrot grob
142 g Wasser kochend
Alles vermischen und mit einer Frischhaltefolie direkt auf der Oberfläche abdecken. Bis auf 50-55 °C abkühlen lassen, Temperatur unbedingt kontrollieren.

Hauptteig:
Reifer Sauerteig
Kochstück
Brühstück ca. 50-55 °C
225 g Roggenschrot mittelfein
10 g Salz
24 g dunkles Backmalz (z.B. Roggenröstmehl, Gerstenmalzextrakt)
95 g Wasser 67 °C

Kneten: Alles 15 Min. langsam mischen, dass ein bindiger Teig entsteht. Teigtemperatur 30-31 °C

Stockgare (Kesselgare): 30 Min. abgedeckt in der Rührschüssel gehen lassen.

Aufarbeiten: Den Teig auf die nasse Arbeitsfläche geben und mit nassen Händen in Form bringen und direkt in eine gefettete oder mit Backpapier ausgelegte 750 g Kastenform geben. Glatt streichen und mit Roggenvollkornmehl oder feinem Schrot bestreuen.

Stückgare: Mit einem Tuch abgedeckt für 50 -75 Min aufgehen lassen, bis sich erste 2-3 mm breite Gärrisse an der Oberfläche zeigen.

Backen: Das Schwarzbrot wird im, mit Backstahl oder -stein und Schwadenschale auf 220 °C vorgeheizten Backofen direkt mit den Kastenformen auf dem Stahl oder Stein gebacken. Die Temperatur wird direkt auf 160 °C reduziert und es wird sehr kräftig geschwadet. Die Gesamtbackzeit beträgt 3 Std. Nach jeweils 60 Min zweimal etwas Wasser in der Schwadenschale nachgeben und das Brot einsprühen, damit die Oberfläche nicht zu hart wird. Nach Ende der Backzeit noch 30 Min. im ausgeschalteten Ofen lassen und dann aus den Formen nehmen und auf einem Gitter mindestens 12 Std. auskühlen lassen.

Schwarzbrot wird klassisch in dünne 5-6 mm dicke Scheiben geschnitten, am besten gelingt das mit einer Brotschneidemaschine.

Ich finde das rheinische Schwarzbrot ein super leckeres Brot. Dünn mit Butter bestrichen, eine Scheibe guten Gouda darauf oder wer mag auch mit Leberwurst und Gürkchen darauf einfach ein Genuss!

Auch bei der Lagerung ist das rheinische Schwarzbrot etwas Besonderes: Man kann es für eine bessere Haltbarkeit dicht eingepackt im Kühlschrank lagern, ohne dass es altbacken wird. Natürlich lässt sich rheinisches Schwarzbrot auch gut einfrieren.

Download des Rezepts für die BackApp (nur für Apple iOS, kein PDF zum Drucken):

RheinischesSchwarzbrot.bakingAppRecipe (4178 Downloads )

In der BackApp FAQ-Sammlung wird erklärt, wie der Import in die BackApp funktioniert.