100 % Roggenvollkornbrot

Einfach nur Roggenvollkornmehl, Wasser, Salz das ist die Basis für die einfachste, aber auch eine der genialsten Formen von Brot für mich. So war auch eines meiner ersten eigenen Rezepte hier im Blog vor fast 10 Jahren ein frei geschobenes reines Roggenbrot, damals mit einer Mischung aus Roggenvollkornmehl und hellerem Roggenmehl 1150.

Warum ich mich gerade in den letzten Monaten wieder verstärkt mit Roggensauerteigbroten ohne Hefezusatz beschäftigt habe, geht darauf zurück, dass wir im derzeitigen “Sourdough-Hype” fast nur noch “Tartine-Style”-Weizensauerteigbrote als Sauerteigbrote in den sozialen Medien vorgesetzt bekommen. Nicht falsch verstehen, das können tolle Brote sein, die ich auch gerne mag, doch haben Roggensauerteigbrot für mich einfach mehr Geschmack und Charakter und sie haben in letzter Zeit klar zu wenig Aufmerksamkeit bekommen.

Als ich dieses Rezept schon fertig hatte, hat sich diese Situation in den letzten Wochen, durch den medialen Hype um das 60 US$ RYE – Brot vom österreichischen Bäcker Martin Auer etwas geändert. Mich freut es sehr, dass jetzt Roggensauerteigbrote wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen, insbesondere da sie auch viel weniger aufwendig in der Herstellung sind, als ihre Weizenverwandten. Man kann mit einem fitten Sauerteig ohne Probleme mit 4 Std. Zeitaufwand am Backtag ein reines Sauerteigbrot backen.

Ein paar Worte zum Rezept:

  1. Roggenvollkornmehl, egal ob gekauft oder selbst gemahlen, am besten aus regionaler Bioqualität, ist für mich sowohl aus ökologischer Sicht, da er wenig Dünger und Pflanzenschutz benötigt, als auch aus gesundheitlicher Sicht, da er wesentlich mehr Mineral- und Ballaststoffe enthält als Weizen, das nachhaltigste Getreide.
  2. Zur Verbesserung der Frischhaltung und des Aromas nutze ich im Rezept ein Altbrotbrühstück. Außerdem kann man so Brotreste einfach recyceln.
  3. Sauerteigführung: Ich nutze in diesem Rezept die sehr einfache Salzsauerteigführung, die mir erlaubt, in einer Stufe einen mild aromatischen, triebstarken Sauerteig herzustellen. Der Anteil des Mehls im Sauerteig ist mit 45 % recht hoch, sodass sich kurze Garzeiten ergeben.
  4. Ein wichtiger Aspekt des Rezepts ist die Einhaltung der Teigtemperatur von 29–30 °C. Nur dann passen die Zeiten und man bekommt das milde Aroma. Dafür ist es wichtig, das Altbrotbrühstück nicht komplett abkühlen zu lassen.

100% Roggenvollkorn

Salzsauerteig
235 g Wasser 45-47 °C
235 g Roggenvollkornmehl
42 g Roggenanstellgut (innerhalb der letzten Woche aufgefrischt)
4 g Salz
Alles gut vermischen und abgedeckt 12–16 Std. bei Raumtemperatur reifen lassen.

Altbrotbrühstück
52 g Altbrot geröstet, gemahlen (am besten von roggenlastigen Broten)
156 g Wasser, kochend
Kochendes Wasser auf die Altbrotbrösel geben und gut durchmischen, mit einer Folie abgedeckt ca. 1 Std. durchquellen lassen. Gewünschte Endtemperatur ca. 30 °C.

Hauptteig
130 g Wasser (77–83 °C je nach Raumtemperatur und Temperatur des Brühstücks)
Altbrotbrühstück
287 g Roggenvollkornmehl
8 g Salz
reifer Salzsauerteig

Mischen: Zuerst das Wasser und das Brühstück grob vermischen, dann alle weiteren Zutaten einige Minuten zu einem gleichmäßigen Teig mischen. Das geht sowohl von Hand als auch mit der Knetmaschine. Der klebrige Teig mit guter Bindigkeit sollte eine Teigtemperatur von 29–30 °C haben.

Stockgare/Kesselgare: Den Teig abgedeckt in der Rührschüssel 30 Min. ruhen lassen.

Aufarbeiten: Den recht klebrigen Teig auf die ordentlich mit Roggenvollkornmehl bestäubte Arbeitsfläche geben und mit viel Mehl an den Händen zuerst rundherum ohne Spannung einfalten, dann umdrehen und in eine runde Form schieben. Den Teigling mit dem Schluss nach unten in ein gut bemehltes rundes 1000 g Gärkörbchen geben und auch auf der Oberfläche gut mit Roggenmehl bemehlen. Nicht abdecken.

Stückgare: 1- 1,5 Std. bei Raumtemperatur gehen lassen, bis sich 4-5 mm breite Gärrisse gebildet haben.

Backen: Den Ofen rechtzeitig auf 250–260 °C mit Backstahl oder -stein und Schwadenschale aufheizen oder alternativ einen passenden Gusseisentopf vorheizen.

Für die schönste Optik den Teigling, aus dem Gärkörbchen auf ein Backpapier “lupfen”, d.h. den Teigling über dem Backpapier leicht nach oben werfen und dann direkt das Gärkörbchen darunter wegziehen, sodass der Teigling mit der eingerissenen Oberfläche nach oben auf dem Backpapier liegt.

Alternativ den Teigling auf das Backpapier stürzen und dann 1–2 Min. “absitzen” lassen, sodass sich neue Risse auf der Oberfläche bilden.

Denn Teigling dann in den heißen Ofen einschießen. Die Temperatur direkt auf 220 °C reduzieren und nach 2 Min. kräftig schwaden, den Dampf dann schon nach 5 Min. durch Öffnen der Tür ablassen, damit keine zu tiefen Risse entstehen. Für insgesamt 55 Min. gut ausbacken und dabei noch mehrmals die Tür zum Dampf ablassen öffnen.

Das Brot nach dem Backen auf einem Gitter gut auskühlen lassen und am besten erst am nächsten Tag anschneiden.

Das 100% Roggenvollkorn hat eine hervorragende Frischhaltung und ein kräftiges Aroma, aber durch den Salzsauerteig trotzdem eine recht milde Säurenote.

Download des Rezepts für die BackApp (kein PDF zum Drucken):

100_Roggenvollkorn.bakingAppRecipe (447 Downloads )

In der BackApp FAQ-Sammlung  erfährst Du wie der Import in die BackApp funktioniert.

Pfänderkruste

Vor ein paar Monaten war ich beim Stöbern im Internet über das Rezept für ein helles Mischbrot mit dem Namen “Marktkruste” bei Ketex gestolpert. Es war mir aufgefallen, da es von Caroline Courts in der WDR-Sendung “Alles in Butter” gelobt worden war.

Ich habe mir das Rezept genauer angeschaut und beschlossen es an ein paar Stellen abzuwandeln und so ist daraus die “Pfänderkruste” geworden. Ich habe den 15% Roggenanteil als Vollkornmehl hinzugefügt und die Weizensauerteigführung angepasst und als Special noch etwas Altbrot im Sauerteig mit fermentiert, was zu mehr Geschmack und Frischhaltung des Brots führt.

Der Name geht übrigens darauf zurück, dass ich dieses Rezept bei meinem letzten Aufenthalt auf dem Pfänder, dem Hausberg von Bregenz in Vorarlberg, entwickelt habe.

Die Pfänderkruste ist ein helles Weizenmischbrot mit zwei Vorteigen: einem Weizensauerteig und einem flüssigen Hefevorteig, einem sog. Poolish. Üblich ist bei Weizenmischbroten eher einen Roggensauerteig zu verwenden, aber so wird der Geschmack des Brots deutlich milder.

In Summe ist die Pfänderkruste ein mildes, unkompliziertes Brot geworden, dass mit einem recht geringen Zeitaufwand am Backtag von ca. 3,5 Std. auskommt.

Das Rezept ist mit Absicht für vier Stück, da man damit den Ofen optimal ausnutzt und die nicht sofort benötigten Brote dann gut einfrieren kann. Natürlich könnt ihr aber auch eine kleinere Stückzahl backen, müsst dann allerdings das Rezept umrechnen oder die BackApp dafür nutzen.

Pfänderkruste (4 Stück mit je 550 g Teigeinwaage)

Sauerteig
138 g Wasser ca. 35 °C
25 g Weizen- oder Roggenanstellgut
126 g Weizenmehl 550
25 g Altbrot (geröstet und gemahlen)
Alle Zutaten vermischen und bei Raumtemperatur für ca. 12 Std. abgedeckt reifen lassen.

Poolish
2,5 g Hefe
126 g Wasser (20 °C)
126 g Weizenmehl 550
Hefe im Wasser lösen und dann alles gut vermengen . 1 Std. bei Raumtemperatur reifen lassen und anschließend für 12-24 Std. im Kühlschrank weiterreifen lassen.

Hauptteig
314 g reifer Sauerteig (Raumtemperatur)
254 g reifes Poolish (aus dem Kühlschrank ca. 8 °C)
591 g Wasser ca. 24 °C
805 g Weizenmehl 550
189 g Roggenvollkornmehl
9 g Hefe
25 g Salz
13 g inaktives Backmalz oder Honig

Kneten: Alle Zutaten ca. 6 Min. langsam mischen, dann den Teig ca. 6-8 Min. auf zweiter Stufe zu einem glatten geschmeidigen Teig auskneten (Fenstertest). Teigtemperatur 25-26 °C

Stockgare: 1 Std. 30 Min. in einer geölten Teigwanne aufgehen lassen, dabei einmal nach ca. 30 Min. dehnen und falten.

Aufarbeiten: Den Teig auf, die gut mit Roggenmehl bemehlte Arbeitsfläche geben und in 4 Stücke a 550 g aufteilen, die Teilstücke von allen Seiten einfalten und mit wenig Mehl straff rundwirken.

Stückgare: Mit dem Schluss nach oben in ein bemehltes Bäckerleinen/Geschirrtuch legen, der relativ feste Teig benötigt kein Gärkörbchen. Ca. 1 Std. aufgehen lassen bis der Fingertest eine knappe Gare zeigt.

Backen: Den Ofen mit Backstahl/-stein oder Blech und Schwadenschale gut auf 250 °C vorheizen. Die 4 Teiglinge mit dem Schluss nach unten auf ein Backpapier/Dauerbackfolie legen, sodass sie sich fast berühren, ich mag es, wenn sie etwas “angeschoben” gebacken werden. Kreuzweise ca. 1,5 cm tief mit einem scharfen Messer einschneiden und dann mit kräftigem Schwaden einschießen. Nach 15 Min., den Dampf ablassen und die Temperatur auf 200° C reduzieren und die Pfänderkrusten für insgesamt 40 bis 45 Min ausbacken. In den letzten 4-5 Min. den Ofen einen Spalt öffnen, um eine krosse Kruste zu bekommen.

Die Pfänderkruste schmeckt in den ersten 1-2 Tagen am besten, danach kann man die Scheiben aber auch noch sehr gut auftoasten. Die kleinen Laibe kann man auch wunderbar einfrieren.

Download des Rezepts für die BackApp (kein PDF zum Drucken):

Pfaenderkruste.bakingAppRecipe (3933 Downloads )

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Empanada Gallega

Auf unserer diesjährigen VW Bus Tour sind wir zum ersten Mal in Galicien (Nordspanien) gewesen, was einem da in den Bäckereien direkt auffällt: Überall wird Empanada Gallega mit unterschiedlichen Füllungen verkauft. Dabei handelt es sich um eine gefüllte Teigpastete, meist wird sie mit einer Füllung aus Fische, Fleisch oder Meeresfrüchten gefüllt. Grundbestandteil der Füllung sind aber immer Zwiebeln, Tomaten und Paprika. Bei der Füllung habe ich mich an einem Rezept spanischen Blog Paulina Cocina orientiert, der Teig dort und in allen Rezepten, die ich online gefunden habe, hat mir aber nicht gefallen: Viel Hefe, kurze Gehzeit, Blätterteig, … So habe ich meinen eigenen Empanadateig entwickelt.

Der Empanadateig ist bei den spanischen Bäckern vorwiegend ein Hefeteig aus Weizenmehl mit sehr viel Olivenöl im Teig der beim Backen gar nicht groß aufgehen soll. Deshalb habe ich mich entschlossen die Hefe wegzulassen und stattdessen Weizensauerteiganstellgut zu verwenden, was durch seine Fermentation den Teig bekömmlicher und aromatischer macht. Deshalb sollte der Teig mindestens 2 Stunden ruhen, kann aber auch gut am Vortag gemacht und im Kühlschrank gelagert werden.

Empanada Gallega (1 Blech ca. 30×40 cm)

212 g Wasser ca. 20 °C (im Sommer kühleres Wasser verwenden)
47 g Weizen- oder Roggenanstellgut
47 g Weizenvollkornmehl
425 g Weizenmehl 550
10 g Salz
109 g Olivenöl (später)

1 Ei zum Bestreichen (Alternativ: Kondensmilch oder vegane Hafer Cuisine)

Kneten: Alle Zutaten außer dem Öl von Hand oder mit der Knetmaschine 5 Min vermischen, dann schluckweise das Öl unterkneten bis ein glatter und geschmeidiger Teig entsteht. Teigtemperatur ca. 25 °C

Stockgare: Den Teig in einer geölten Schüssel mindestens 2 Std. ruhen lassen, dabei einmal nach 60 Min. dehnen und falten so das ein rechteckiges Teilstück entsteht. Der Teig muss nicht sichtbar aufgehen! Der Teig kann gut bis zu 20 Std. im Kühlschrank gelagert werden.

Aufarbeiten : Den Teig halbieren und beide Stücke auf der bemehlten Arbeitsfläche jeweils zu einem großen Rechteck (Größe eures Backblechs) dünn ausrollen . Das eine Teigrechteck auf dem Blech mit einem Backpapier darunter auslegen und die vorbereitet und abgekühlte Füllung darauf gleichmäßig verteilen. Rundherum ca. 2 cm Rand ohne Füllung freilassen. Die Füllung mit dem zweiten Teigrechteck abdecken und den überstehenden Rand abschneiden. Dann die beiden Teigrechtecke mithilfe einer Gabel dicht “umbördeln”. Mit Teigresten kann man die Empanada verzieren, dann gut mit Eistreiche einstreichen und mit einer Gabel einige Löcher in die obere Teigschicht stechen, damit entstehender Dampf entweichen kann.

Backen: 190 °C Ober-/Unterhitze im vorgeheizten Ofen ca. 30 Min bis die Empanada schön gebräunt ist. Auf einem Gitter etwas abkühlen lassen. Die Empanada kann man lauwarm oder kalt genießen und auch leicht in der Pfanne oder Mikrowelle wieder aufwärmen.

Herstellung der Empanada Füllung

Das Rezept für die Füllung ist vom spanischen Blog Paulina Cocina übernommen und nur leicht adaptiert.

Grundfüllung:

  • 500 g Zwiebeln fein gehackt (4 oder 5 Zwiebeln)
  • 100 g rote Paprika in kleinen Würfeln
  • 300 g zerkleinerte frische Tomaten
  • 2 Lorbeerblätter
  • Olivenöl
  • 1 EL Paprika (süß oder scharf)
  • 1 TL Kurkuma
  • Salz, Pfeffer

Zur Herstellung der Füllung zuerst die gehackten Zwiebeln in reichlich Olivenöl anbraten und 10 Min bei mittlerer Hitze schmoren, dann die gewürfelten Paprika hinzugeben und 5 Min ohne Deckel weiter schmoren.

Die zerkleinerten Tomaten, die Lorbeerblätter, Paprikapulver, Kurkuma und etwas Salz zugeben und weitere 15 Minuten ohne Deckel schmoren.

Die Lorbeerblätter herausnehmen und die Füllung etwas abkühlen lassen, dann je nach Variante den Thunfisch oder den Feta und das Gemüse zugeben und mit Salz und Pfeffer abschmecken

Varianten:

(Jeweils unter die etwas abgekühlte Grundfüllung mischen.)

Thunfisch: 250 g Thunfisch Natur aus der Dose (im eigenen Saft), in kleinen Stücken
Vegetarisch : 200 g Fetakäse, Spinat oder Mangold (blanchiert und fein gehackt)

Download des Rezepts für die BackApp (kein PDF zum Drucken):

EmpanadaGalego.bakingAppRecipe (3733 Downloads )

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