Buchrezension „Die Kunst der wilden Fermentation“ von Sylwia Gervais

Das Buch “Die Kunst des wilden Fermentation“ von Sylvia Gervais aus dem Ulmer Verlag enthält auf 320 Seiten eine Vielzahl von Themenbereichen rund um die Fermentation. Die Autorin ist zertifizierte Fementista und betreibt die Webseite “Grüne Speisekammer” Das Buch bietet eine gute Einleitung in die Fermentation generell und macht mit den ansprechend gestalteten Fotografien und den klar strukturierten Unterkapiteln Lust auf mehr. Es bietet zudem mit Kapiteln wie „Fermentation und Gesundheit“ gute Hintergrundinformationen.

Naturgemäß habe ich mich zunächst dem Kapitel „Mit wilden Hefen backen” gewidmet. Hier wird auf Basis von Früchten, Blüten und Gemüse Hefewasser angesetzt.
Mithilfe dieses Hefewassers als Triebmittel werden dann Dinkelbrot oder wahlweise Zimtschnecken gebacken. Die Rezepte habe ich nicht explizit nachgebacken, grundsätzlich sind sie aber stimmig. Für ein gutes Ergebnis sollte man schon etwas Brotbackerfahrung haben und z.B. die Knetzeiten etc. dann entsprechend anpassen.

Getreide Fermentieren

Sehr interessant fand ich auch das Kapitel „Getreide Fermentieren“ weil hier umfassend alle Arten der Fermentation von Getreide beschrieben werden, also nicht nur mit Hefe und Sauerteig, sondern auch weniger bekannte Themen wie die Plizfermentation. Sehr spannend finde ich die Verwertung von Roggensauerteigbrotresten zu Kvass, einem traditionellen osteuropäischen Getränk, das ich unbedingt mal ausprobieren werde. Natürlich gibt es auch einen Kurzeinstieg zum Thema Sauerteig und wie man sich einen Starter herstellt und damit ein erstes Roggenbrot bäckt. Hier schient leider etwas durcheinander geraten zu sein, die Bilder und die Beschreibung sind eindeutig für ein Weizensauerteigbrot, nur leider wird im Rezept Roggenvollkornmehl verwendet, was so einfach nicht zusammenpasst.

Meine Frau hat auf meinem Schreibtisch das Buch entdeckt und sich weitere Kapitel angeschaut.

Gemüse Fermentieren

Zunächst das Kapitel „Gemüse fermentieren”. Auch im Vorfeld wurde bei uns schon eifrig Gemüse, vor allem im Eigensaft mit Salz fermentiert. Die hier dargestellten Rezepte sind eindeutig vielfältiger als unsere bisherigen Fermente. Nach mehreren Versuchen bleibt es aber dabei: das im Eigensaft hergestellte Kimchi (S. 77 ff.) oder Sauerkraut (zum Beispiel S. 70) schmeckt uns immer noch besser als andere Gemüse die in Lake fermentiert werden.
Als Nächstes haben wir uns an die Essiggärung gewagt. Da es Winter war, haben wir mit dem einfachen Rezept für Weinessig (S. 152) angefangen. Als Starteressig haben wir naturtrüben Apfelessig aus dem Bioladen verwendet. Nach sehr langem Warten (ca. 6 Wochen) hatten wir einen leckeren Rotweinessig – wahrscheinlich war der Rotwein doch etwas geschwefelt, und deshalb hatten es die Essigsäurebakterien sehr schwer zu entwickeln. Der Apfelessig (S. 140) hingegen klappt wunderbar für die saisonalen wilden Essige fehlen uns in der Stadt leider die wilden Blüten.

Milch Fermentieren

Als Letztes haben wir im Urlaub noch „Lebensmittel aus Milch fermentiert“. Rohmilch vom Bauer, Kälberlab und Milchsäurekulturen vom Online Käsereibedarf “Bunte Kuh” und die erste Sauermilch und Paneerkäse haben ganz gut geklappt. Hier werden wir uns in Zukunft im Urlaub wohl noch weiter austoben. Die Käseherstellung scheint aber genauso komplex wie das Brotbacken zu sein, sodass wir uns da nochmal nach Spezialliteratur umschauen werden, da in diesem Buch das Thema nur kurz angerissen wird.

Insgesamt macht das Buch große Lust sich an die unterschiedlichsten Formen der Fermentation heranzuwagen. Die Schritte sind gut beschrieben. Als Stadtfamilie ist es manchmal gar nicht so einfach die passenden Zutaten zu “sammeln”, aber wenn man diese dann gefunden hat klappt es wunderbar.

Transparenzhinweis: Mir wurde das Rezensionsexemplar vom Ulmer Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt.

Buchrezension „Besser Vollkorn Backen“ von Lutz Geißler

Schon einige Monate liegt das neue Buch von Lutz. Geißler und schon auf meinen Schreibtisch, jetzt bin ich endlich dazugekommen meine Gedanken dazu aufzuschreiben.

Wie der Name schon sagt, widmet sich dieses Buch ausschließlich dem Backen mit Vollkornmehlen, einem Thema zu dem es bisher noch nicht allzu viele gute Brotbackbücher gibt. Lutz Geissler geht es dabei darum, wie der Titel schon sagt, bessere Vollkornbrote zu backen, also welche, die nicht “fest, trocken und sogar bröselig” sind, sondern lecker und eben ein Genuss. Den Autor muss man in der Hobbybäckerszene wirklich nicht mehr vorstellen, Lutz Geissler ist der mit Abstand bekannteste Autor von Brotbackbüchern und allgemein anerkannter Brotexperte.

Überblick

Lutz Geissler hat einen anderen Aufbau als in den meisten Büchern gewählt und steigt nach wenigen Seiten zu “Ablauf und Handgriffe beim Backen” und zum Zubehör direkt mit den Rezepten ein. Umfangreiche theoretische Hintergründe streut Lutz in Form von über 20 sogenannten “Infoboxen” unter dem Titel “Gut zu Wissen” ein. Auch bei den Rezepten geht er einen neuen Weg, so gibt es immer erst das Rezept in tabellarischer Kurzversion und danach für Einsteiger eine ausführliche Version. Das ganze Buch ist mit tollen Fotos bestückt, der Foodfotograf Oliver Brachat hat damit seine Namensnennung auf der Titelseite redlich verdient.

Die Rezepte

In genau 50 Rezepten behandelt Lutz sowohl Brot, Brötchen, aber auch süße Gebäcke wie Blechkuchen, Brioche und Fladenbrote wie Vizza oder Vocaccia (V für Vollkorn 😉). Den Start macht das “einfachste Vollkornbrot der Welt” nur aus Weizenvollkornmehl, Wasser, Salz und Hefe, anscheinend muss man so etwas heute im Programm haben, keine Ahnung wie viele “einfachste Brötchen” der Welt es z.B. bei Instagram gibt. Was allerdings sehr schön ist, dass Lutz aus diesem Grundrezept 5 weitere Varianten entwickelt, an denen man viel über den Einfluss von Sauerteig, Vitamin C und Quellstücken auf ein Brot lernen kann. Dann folgen Rezepte für Dinkel-, Roggenvollkorn- und Mischbrote. Der letzte Teil umfasst dann Vollkornvarianten von Baguette, Ciabatta und vielen anderen beliebten Brot- und Brötchensorten. Alles in allem ist es eine sehr große Vielfalt an echten Vollkornrezepten, die man in diesem Buch findet, die alle komplett auf Auszugsmehle verzichten.

Rezepttests

Wie bei jeder Buchrezension habe ich auch diesmal mehrere Rezepte getestet. Die Wahl fiel diesmal auf die Vollkorn Ciabattaversion mit dem Namen “Luftikus” und auf die Pizzavariante “Schnäck”.

Als Erstes zum Luftikus, das Rezept ist wie bei Lutz üblich sehr gut beschrieben und man kann wirklich leicht ein tolles Ergebnis erzielen. Der Luftikus, ist ein reines Weizenvollkornbrot mit einem festen Vorteig und nur durch Hefe gelockert. Das Brot ist für ein Vollkornbrot wunderbar locker. Geschmacklich war es mir etwas zu fad, ich denke, das Rezept könnte von einem Sauerteig sehr profitieren. Diesen Weg werde ich als eigene Rezeptvariante bald mal ausprobieren.

Schnäck : Dieses herzhafte Fladenbrot mit einem Roggenpoolish habe ich als zweites Rezept nachgebacken. Wieder gelingt der Teig sehr gut nach den Anweisungen aus dem Buch. Geschmacklich waren wir in meiner Familie auch der tollen Optik etwas enttäuscht, Pizza verlangt einfach nach hellen Mehlen, da muss es für mich kein Vollkorn sein.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Buch “Besser Vollkorn Backen” für alle, die gute und bekömmliche Vollkornbackwaren backen wollen, eine klare Empfehlung ist. Ich kenne kein zweites Buch, das auch explizit so viele Details und Hintergründe erklärt, wie man wirklich gute Vollkornbrote bäckt. Das Buch ist durchaus auch für Einsteiger zu empfehlen, da, wie oben erwähnt alle Rezepte auch in einer sehr ausführlichen Version vorhanden sind. Für den erfahrenen Hobbybäcker entsteht dadurch automatisch viel Redundanz, die man aber durch die Kurzversion der Rezepte einfach überspringen kann. Das Einzige, was ich mir noch gewünscht hätte, wären mehr Rezepte mit Sauerteig, wie auch meine Rezepttests gezeigt haben, schmecken Vollkorngebäcke, welche nur mit Hefe gelockert sind, oft einfach etwas fad.

Hinweis: Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Ulmer Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt.

Buchrezension: “Das große Buch vom Sauerteig” von Maurizio Leo

Das erste Mal seit längerer Zeit habe ich mich mal wieder an eine Buchrezension eines aus dem Englischen übersetzten Brotbackbuchs gewagt, nachdem mich vor einigen Jahren die deutsche Übersetzung des Sauerteigbuchs von Vanessa Kimbell sehr enttäuscht hatte.

Der Autor Maurizio Leo ist in den USA mit seinem Blog “The Perfect Loaf” einer der bekanntesten Brotblogger. Er hat vor 2 Jahren sein Buch “The Perfect Loaf” auf Englisch herausgebracht, das nun dieses Jahr als deutsche Übersetzung von Annika Genning unter dem Titel “Das große Buch vom Sauerteig” erschienen ist. “Großes” Buch stimmt auf jeden Fall, da es mit 429 Seiten und großem Format wirklich ein ganz schöner Wälzer ist. Das Buch mit seinem 250 sehr ansprechenden Bildern ist sehr hochwertig aufgemacht.

Wie der Name schon sagt, geht es in diesem Buch um das Backen mit Sauerteig, d.h. alle Rezepte sind komplett mit Sauerteig getrieben und backhefefrei. Die Art zu Backen von Leo Maurizio ist dabei in der US-amerikanischen “Tartine Bread”- Tradition zu sehen, wie sie von Chad Robertson vor über 20 Jahren bekannt geworden ist. Dabei kommt in allen Rezepten ein sehr aktiver, milder Weizensauerteigstarter zum Einsatz.

Die Gliederung des Buches ist etwas anders als in den meisten deutschen Brotbackbüchern. Das Buch startet zwar mit einem kurzen Kapitel über Zutaten und Hilfemittel. Die Grundprinzipien des Sauerteigbrotbackens werden dann aber im Kapitel “Ihr erstes Sauerteigbrot” an einem konkreten Rezept über 30 Seiten sehr ausführlich in allen Details beschrieben. In einem zweiten Teil beschreibt Maurizio dann ebenfalls sehr ausführlich die Grundtechniken der Sauerteigbäckerei und dann auch noch den sehr wichtigen Einfluss von Temperatur und Wassergehalt im Teig. Erst dann startet der umfangreiche Rezeptteil.

Die Rezepte

Der Rezeptteil gliedert sich in Rezepte “ohne Form” (= frei geschoben) , “Kastenbrote”, “Pizzas und Fladenbrote”, Brötchen, Bagels & Gebäck” und “Süßes”. Wie schon oben erwähnt, sind alle Rezepte ausschließlich mit Sauerteig gelockert. Die Rezeptbeschreibungen sind wie der Grundlagenteil sehr detailliert auf jeweils 4-5 Seiten beschrieben. Die frei geschobenen Brote sind großteils Variationen des klassischen Weizensauerteigbrots à la “Tartine Bread”. Es hat es aber auch ein Roggenvollkornkastenbrot in das Buch geschafft, natürlich mit einem Roggensauerteig der mit Weizenanstellgut angesetzt wurde 😉.

Wie immer habe ich zwei Rezepte nachgebacken, und zwar das “Polentabrot” und das “Rustico”, ein mit Dinkelvollkorn angereichertes Weizensauerteigbrot.

Das “Polentabrot” (siehe Bilder) ist ein mit Polenta versetztes Weizensauerteigbrot. Ein typisches “Tartine-Style” Brot, mit durch die Polenta leicht feuchterer Krume, lies sich nach dem Rezept von Leo Maurizio gut nachbacken. Das “Rustico” ist ebenfalls gut gelungen, leider habe ich keine Bilder gemacht. Mein Fazit: Die Rezepte sind gut nachzubacken, wenn man alle Hinweise des Autors in der detaillierten Beschreibung befolgt.

Die Übersetzung

Übersetzte Brotbackbücher können aufgrund der Fachsprache immer wieder problematisch sein, bei diesem Buch ist die Übersetzung in weiten Teilen allerdings gut gelungen und dass deutsche Fachvokabular korrekt verwendet, nur an einigen Stellen muss man etwas schmunzeln, wenn von Sauerteig “impfen” und von “Einschlüssen” (Saaten, Nüsse oder ähnliches) gesprochen wird. Hervorzuheben ist auch, dass Empfehlungen gegeben werden, mit welchen deutschen Mehlen man beim Backen der Brote Erfolg hat, da diese im Regelfall sehr viel proteinärmer sind als die US Mehle. Viele Hinweise und Vorgehensweisen sind aber natürlich sehr US geprägt, z.B. dass man doch bitte nicht das Mehl nach Volumen messen soll und wohl kaum ein Hobbybäcker eine Knetmaschine zu Hause hat. Etwas verwirrend ist die Aussage man müsste das Einweichwasser bei Quellstücken (Saaten, etc.) von der Gesamtwassermenge des Rezepts abziehen, dies ist in der deutschen Rezeptlogik unüblich, aber wohl in USA so üblich.

Die Sauerteigmethode

Sehr gefallen hat mir die Anleitung des Autors zum Züchten eines Weizensauerteigs mit einer Kombination aus Roggen- und Weizenmehl, da ich selbst schon die Erfahrung machen durfte, dass man aus reinem Weizenvollkornmehlmehl meist nicht erfolgreich einen Sauerteig ziehen kann. Diese Methode war mir neu und hört sich sehr vielversprechend an.

Für etwas praxisfremd halte ich das Standardvorgehen des Autors, seinen Starter zweimal täglich zu füttern, aber auch hier gibt der Autor Tipps, wie man das abwandeln kann. Meiner Meinung nach kann man allerdings auch mit wesentlich weniger Aufwand einen aktiven Sauerteigstarter pflegen.

Fazit

Ein sehr gutes Buch für alle, die in die Weizensauerteigbäckerei einsteigen wollen und eine wirklich gute Anleitung für ein “Tartine Style Sourdough Bread “suchen. Wenn man sich an die detailverliebte Anleitung hält, insbesondere an die angegebenen Temperaturen, kommt man auch ohne viel Erfahrung zum Ziel, ganz im Gegensatz zu den Rezepten in Chad Robertsons Büchern, nach denen man nur mit viel Erfahrung backen kann. Hat man schon Erfahrung im Backen von Weizensauerteigbroten, sind die detaillierten Beschreibungen der Rezepte auf Dauer etwas nervig und man sollte dann vielleicht nach einem anderen Buch Ausschau halten.

Hinweis: Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom DK Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt.