Nuss – Tartine

Nuss-Tartines

Wie meine regelmäßigen Leser wissen, liebe ich Weizensauerteigbrote (auch Pain au Levain oder Tartine Breads genannt) das könnt ihr alleine daran sehen, dass sich über die Jahre schon einige Rezeptvarianten hier im Blog angesammelt haben. Die Zubereitung ist aber immer recht zeitaufwendig und das klassische Vorgehen wenig alltagskompatibel, da man eigentlich über einen ganzen Tag am Stück beschäftigt ist. Deshalb versuche ich derzeit die Abläufe so zu verändern, dass sie auch in einer Arbeitswoche nebenher Platz finden. Das Nuss-Tartine is das erste Rezept bei dem ich diesen Ansatz umgesetzt habe.

Grundvoraussetzung für den Erfolg bei Weizensauerteigbroten ohne Hefe sind immer zwei Dinge: Erstens ein sehr triebstarker, fitter und milder Weizensauerteig und zweitens die Teigtemperatur im Blick zu behalten. Außerdem sollen meine Rezepte möglichst mit regionalen Standardmehlen funktionieren, deshalb habe ich den Wassergehalt auf 75 % reduziert. Inspiriert durch das “Nussi” der Brotpuristen in Speyer ist daraus ein Nuss-Tartine Rezept mit gerösteten Wal- und Haselnüssen entstanden.

Hier ein Beispielzeitplan, der auch in den Alltag passt. Ihr könnt ihn an einigen Stellen auch euren Bedürfnissen anpassen:

Tag 1
20:00 Sauerteig ansetzen
22:00 Sauerteig für bis zu 20 h in den Kühlschrank stellen.
Tag 2
17:00 Autolyseteig ansetzen und Sauerteig zum Akklimatisieren aus dem Kühlschrank holen.
17:45 Hauptteig zubereiten
18-21:00 Stockgare bei 26-28 °C
bzw. 18-23:00 Stockgare bei 22 °C
21-21:45 (bzw. 23-23:45): Laibe aufarbeiten und ab in den Kühlschrank
Tag 3
irgendwann zwischen 8 bis 17 Uhr den Ofen vorheizen und das Brot backen

Nuss-Tartine (ca. 850 g Laib)

Sauerteig
35 g Wasser 55°C (Temperatur je nach Anstellguttemperatur anpassen)
35 g Weizenmehl 550
35 g Weizenanstellgut (maximal 1 Woche im Kühlschrank) ca. 7°C
Alle Zutaten gut mischen und 2-2,5 h bei 28°C abgedeckt stehen lassen. Das Volumen sollte sich mindestens verdoppeln, dann für 8-20 h in den Kühlschrank stellen.

Nüsse rösten
38 g Walnüsse ganz
38 g Haselnüsse ganz
Im Backofen bei ca. 200°C Heissluft 5-7 min leicht anrösten. Dann abkühlen lassen.

Autolyseteig
300 g Wasser ca. 30°C
350 g Weizenmehl 550
50 g Weizenvollkornmehl
50 g Roggenvollkornmehl
Alles nur grob vermischen bis kein Mehl mehr zu sehen ist und abgedeckt 45 min quellen lassen.

Hauptteig
Autolyseteig
Sauerteig
11 g Salz (später zugeben)
25 g Wasser ( später zugeben) warm (Temperatur nach Teigtemperatur wählen)

Kneten: Zum Autolyseteig, den etwas akklimatisierten Sauerteig zugeben und 4 min auf erster Stufe mischen, dann weiter 4 Minuten auf zweiter Stufe kneten und dann das Salz zugeben, weitere 4-6 min kneten bis sich der Teig von der Schüssel löst und eine gute Glutenentwicklung zeigt (Fenstertest). Dann das restliche Wasser zugeben, je nach Mehl auch noch etwas mehr und ca. 4-5 min unterkneten. Die Teigtemperatur sollte bei 26-27 °C liegen.

Stockgare: Den Teig in eine geölte Teigwanne geben und viermal nach 20/40/60/80 min dehnen und falten. Beim ersten “dehnen und falten” die Nüsse untermischen. Den Teig entweder 3 h bei ca. 28 °C im etwas angewärmten Backofen/Gärbox oder 5 h bei 21-22°C aufgehen lassen. Wichtig: kälter sollte es nicht sein.

Aufarbeiten: Den Teig auf die bemehlte Arbeitsfläche geben und von allen Seiten vorsichtig zur Mitte hin einfalten und dann umdrehen und mit der Teigkarte rund schieben, 30 min abgedeckt entspannen lassen. Dann den Teigling wenden von rechts und links einfalten und den rechteckigen Teigling von oben nach unten straff einfalten so das ein kompaktes Paket entsteht (die Technik kann man sich z.B. hier als Video von Trevor Wilson anschauen).

Stückgare: Der Teigling wird mit dem Schluß nach oben in ein bemehltes, längliches 750 g Gärkörbchen gelegt und darf dann über Nacht (8-17 h) im Kühlschrank aufgehen (das mit einem Tuch abgedeckte Gärkörbchen in eine Folie packen).

Backen: Aus dem Gärkörbchen auf ein Backpapier stürzen und 1, 5 cm tief einschneiden und in den gut auf 250 °C vorgeheizten Ofen (mit Backstein oder -stahl) mit kräftigem Schwaden einschießen, nach 15 min die Temperatur auf 220 °C reduzieren und weitere 40-45 min kräftig ausbacken. In den letzten 5 min den Ofen einen Spalt öffnen um eine krosse Kruste zu erhalten.

Das Ergebnis ist ein leckeres und mildes Weizensauerteigbrot mit einer kräftigen Kruste und einer tollen Frischhaltung.

Vinschgerl

Vinschgerl oder auch Vinschgauer sind einer meiner Favoriten, welche ich regelmäßig backe. Dieses in Südtirol und Österreich sehr weit verbreitete Roggengebäck gibt es in unterschiedlichen Größen, ich mag die kleineren am liebsten, sie sind nicht nur extrem lecker, sie lassen sich auch wunderbar einfrieren und im Toaster aufbacken.

Vinschgerl Rezepte findet man auf dem einschlägigen Brotblogs viele, mit mehr oder weniger Vollkornanteil und meist ca. 20 % Weizenanteil. Typischerweiße sind Vinschgerl kräftig gewürzt entweder nur mit klassischen Brotgewürzen oder auch zusätzlich oder ausschließlich mit Brotklee (Schabzigerklee), dieser schmeckt sehr intensiv und sollte vorsichtig dosiert werden. Wenn man keine Brotgewürze mag, kann man sie natürlich auch einfach weglassen. Mein Rezept nutzt einen Vollkornsalzsauerteig und kommt ohne Hefe aus und hat sich bei mir als sehr gelingsicher bewährt.

Vinschgerl (10 Stück, 5 Paarl)

Sauerteig

190 g Wasser (45 °C)
190 g Roggenvollkornmehl
38 g Roggenanstellgut
4 g Salz
Alles gut vermischen und 12-15 h abgedeckt bei Raumtemperatur stehen lassen

Hauptteig

Sauerteig
100 g Ruchmehl oder WM 1050
240 g Roggenmehl 1150
260 g Wasser (43- 45 °C)
3-5 g Brotgewürze (Schabziger Klee, oder Anis/Fenchel/Kümmel/Koriander gemahlen oder zermartert)
7 g Salz

Kneten: Alle Zutaten 10 min langsam mischenDie Teigtemperatur sollte bei 29-30°C liegen (Wichtig: Wenn in diesem Schritt die Temperatur zu niedrig ist kommt der Roggensauerteig nicht richtig in Gang!)

Stockgare: Den Teig in einer geölten Schüssel 2,5 Stunden bei Raumtemperatur gehen lassen.

Aufarbeiten: Den Teig auf die gut mit Roggenmehl bestreute Arbeitsfläche stürzen und auch die Teigoberfläche gut einmehlen. 10 ungefähr gleichgroße Stücke mit dem Teigschaber abstechen und nur leicht rundschieben, paarweise auf ein Backpapier legen.

Stückgare: die Teiglinge ca. 1,5 h  offen bei Raumtemperatur gehen lassen, bis sich deutliche Risse in der Teigöberfläche zeigen.

Backen: Den Backofen mit Blech/Stein oder Backstahl auf 250°C gut vorheizen. Die Vinschgerl einschießen und die Temperatur direkt auf 235 °C reduzieren und in 25 min, ohne Schwaden backen, dabei die Tür mehrfach öffnen und entstandenen Dampf abzulassen.

Download des Rezepts für die BackApp (nur für Apple iOS):


Vinschgerl.bakingAppRecipe (171 Downloads)

In der BackApp FAQ-Sammlung wird erklärt wie der Import in die BackApp funktioniert.

Vollkorn-Saatenkasten

Saatenkasten ganzes Brot

Kastenbrote sind auf meinem Blog ja eher selten zu finden, aber nachdem ich regelmäßig das Vollkornbrot mit Ölsaatenkruste sowohl im Kurs als auch zuhause backe, stand schon lange der Wunsch im Raum auch mal ein Rezept mit vielen Saaten im Brot zu backen: Daraus ist das Rezept für den “Saatenkasten” entstanden. Der Saatenkasten besteht zu je 50% aus Weizen- und Roggenvollkorn, wobei der Roggen zum Teil als Schrotbrühstück dazukommt, was das Brot noch saftiger macht. Ich habe außerdem meine Versuche mit den Gerstenflocken fortgesetzt und diese im und am Brot eingesetzt, das gibt dem Brot eine noch kernigere Note. Diese kann man aber natürlich auch durch andere Flocken ersetzen. Das Brot läßt sich super ganz ohne Hefe backen, solltet ihr eurem Sauerteig noch nicht 100%ig vertrauen kann aber auch etwas Hefe zur Unterstützung eingesetzt werden.

Vollkorn-Saatenkasten ( 2* 750 g)

Roggensauerteig
205 g Roggenvollkornmehl
205 g Wasser (45°C)
40 g Roggenanstellgut
4 g Salz
Alles mischen und abgedeckt über Nacht ( 12-16 h) stehen lassen.

Roggenschrotbrühstück
150 g grober Roggenschrot
240g Wasser kochend
Gut vermischen und mit einer Folie direkt auf der Oberfläche abgedeckt ca. 2-3 h durchquellen lassen.

Saatenbrühstück
125 g Saaten (Sonneblumenkerne, Sesam, Leinsamen, Roggenmalzflocken, Gerstenflocken) in der Pfanne angeröstet
150 g Wasser kochend
Gut vermischen und mit einer Folie abgedeckt mindestens 3 h abkühlen lassen.

Hauptteig
Roggensauerteig
Roggenschrotbrühstück
385 g Weizenvollkornmehl
13 g Salz
180 g Wasser 50-51 °C (wenn die Brühstücke Raumtemperatur haben)
(1 g Frischhefe optional, wenn euer Sauerteig nicht allzu triebstark sein sollte)
Saatenbrühstück (später zugeben)
Flocken zum Bestreuen

Kneten: 4 min auf langsamer Stufe mischen und dann 4 min auf der zweiten Stufe, dann das Saatenbrühstück in Stücken zugeben und so lange kneten bis die Saaten gut untergemischt sind. Die Teigtemperatur sollte ca. 26°C betragen.

Stockgare: Den Teig abgedeckt 1-1.5 h aufgehen lassen.

Aufarbeiten: Den Teig auf die leicht bemehlte Arbeitsfläche geben und in zwei Teile teilen (da ich in kleinen 750 g Formen backe). Die Teigstücke etwas flachdrücken und dann von allen vier Seiten so einfalten, dass der Teigling etwa kleiner als eure Form ist. Den Teigling etwas befeuchten und vorsichtig in den Flocken wälzen und ihn dann mit dem Schluß nach unten in die gefettete oder mit Backpapier ausgelegte Form geben. Gut andrücken und die Oberfläche leicht befeuchten. Die Form sollte zu ca. 2/3 gefüllt sein.

Stückgare: Die Form abgedeckt 1,5-2 h gehen lassen ( insbesondere ohne Hefe sind es bei mir immer 2 h und manchmal mehr) bis der Teigling sich um ca. 1/3 vergrößert hat und die Form ausfüllt.

Backen: Die beiden Formen, in den mit Backstahl oder – stein auf 250°C gut vorgeheizten, Ofen schieben und leicht schwaden. Nach 15 min die Temperatur auf 210 °C reduzieren und weitere 25 min backen, dann die Brote aus den Formen holen und auf dem Gitter nochmal für 15 min fertigbacken, damit sie rundum eine schöne Kruste haben. Die Gesamtbackzeit beträgt 55 min. Gut auskühlen lassen und am besten erst am nächsten Tag anschneiden.

Der Saatenkasten ist ein sehr aromatisches, kerniges Brot mit guter Frischhaltung.

Download des Rezepts für die BackApp (nur für Apple iOS):


Saatenkasten.bakingAppRecipe (143 Downloads)

In der BackApp FAQ-Sammlung wird erklärt wie der Import in die BackApp funktioniert.